Die jüngste Hiobsbotschaft kam am Montagabend: Primera Air, die isländische Airline mit Sitz in Dänemark, kündigte Insolvenz an. Dabei hatte die Fluggesellschaft erst kürzlich zum grossen Sprung über den Atlantik angesetzt. Primera forcierte das Billigflug-Konzept auf Routen zwischen Europa und Nordamerika.

Mit dem Ende von Primera Air wächst die Zahl der europäischen Airlines, die in den vergangenen Monaten aufgeben mussten. Anfang August war es VLM in Belgien, Ende August folgte hierzulande Skywork in Bern. Im September verkündeten in Deutschland dann Small Planet und Azur, dass sie aufhören müssen. Zuvor waren schon weitere Player ausgeschieden: Die britische Monarch Airlines verschwand vor einem Jahr, bei Air Berlin war es im Jahr 2017 so weit. Bei Alitalia sucht die italienische Regierung immer noch nach einem Käufer.

Sinkende Gewinnmargen

Es werde weitere Airline-Pleiten in Europa geben, prognostizieren die Analysten der Ratingagentur Scope und nennen mehrere Gründe: Zum einen sei der Aviatikmarkt in Europa gesättigt, es herrsche ein hoher Konkurrenzdruck. Hinzu kommen steigende Kerosinpreise. So ist der Treibstoffpreis in Dollar gerechnet auf dem höchsten Stand seit Mai 2015 gestiegen, rechnet Scope vor. Viele Airlines kämpfen daher mit sinkenden Gewinnmargen, die wachsenden Kosten lassen sich auch nicht so leicht auf die Kunden durch höhere Ticketpreise abwälzen. Zudem gibt in Europa viel Ärger wegen verspäteten und ausgefallenen Flugverbindungen. Das spüren kleinere Airlines besonders heftig, weil sie hohe Kompensationszahlungen an Passagiere leisten müssen. Grössere Airlines können solche Zusatzkosten besser wegstecken.

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Auffällig ist, dass jene Airlines, die kürzlich in Insolvenz gingen, alle eine Flotte hatten, die weniger als zehn Flugzeuge umfasste. Solche kleinen Flottengrössen machten es schwer, Marktanteile gegen grössere Anbieter zu verteidigen, argumentiert Scope-Analyst Sebastian Zank. Zum Vergleich: Die Lufthansa-Tochtergesellschaft Swiss verfügt über 79 eigene Flugzeuge plus elf gemietete Flieger (Stand März 2018) im so genannten Wet-Lease-Verfahren. Zank ist der Auffassung, dass kleinere Airlines nur in der Nische oder in Kooperation mit grösseren Anbietern überleben könnten.

Helvetic Airways modernisiert die Flotte

Diese Strategie wählt zum Beispiel die einzig verbliebene unabhängige Airline der Schweiz, Helvetic Airways. Sie betreibt derzeit zwölf Flugzeuge und kooperiert stark mit der Lufthansa-Gruppe, übernimmt dabei sehr viele Flüge für die Swiss und bietet nur wenige eigene Routen an. Zudem betreibt Helvetic einen Charterdienst. Kürzlich kündigte Helvetic an, die Flotte zu erneuern und zwölf neue Regionaljets von Bombardier zu kaufen

Statt sich in der Nische oder in Kooperation zu probieren, könnten kleinere Airlines sich auch zusammenschliessen, so Analyst Zank. Als Beispiel gilt der Fusionsplan der spanischen Regionalfluggesellschaft Air Nostrum und CityJet aus Irland. Sonst würden eben mächtige Gesellschaften wie IAG, Lufthansa oder Ryanair am Ende die Reste der kleineren, krisengeplagten Airlines aufsammeln. So hatten allen voran die Lufthansa-Gruppe, aber auch Easyjet vom Verschwinden von Air Berlin profitiert und ihr Angebot kräftig ausgebaut.

Das Ende von Primera Air zeigt auch, wie schwer ist es, auf der Langstrecke eine Billigfluggesellschaft zu etablieren. Norwegian Air Shuttle probiert dieses Konzept schon eine Weile, ist aber auch unter erheblichem finanziellem Druck. Daher wirkt der Plan des Projekts «Swiss Skies» umso ambitionierter. Mehrere Gründer versuchen in Basel eine neue Billigairline für die Langstrecke zu starten.