Langsam läuft es wieder in Gatwick: Am Freitagmorgen wurde der Betrieb am Flughafen London-Gatwick aufgenommen. In den vergangenen Tagen war es dort wegen mehrerer Drohnenflüge zum Chaos gekommen, der Airport musste – mitten in der Vorweihnachtszeit – geschlossen werden. Hunderttausende Reisende sassen fest, Flieger konnten weder starten noch landen. Am Freitag seien 700 Starts am zweitgrössten britischen Flughafen geplant, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Es sei allerdings weiter mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen.

Das Beispiel zeigt, wie schlecht Airports gerüstet sind, wenn jemand mit einer Drohne über das Flughafengelände fliegt oder den Jets bei Start und Landung auf ihrem Kurs zu nahe kommt. Zwar sind Drohnen nicht besonders gross, doch wie bei einem Vogelschlag können die Geräte die Flugzeuge stark beschädigen, wenn es zu einem Zusammenprall kommt. Dies kann im schlimmsten Fall die Aussenhaut des Fliegers zerstören oder Triebwerke ausser Gefecht setzen. Kein Wunder, dass der Boom der Drohnen in der Aviatik-Szene schon lange für Unruhe sorgt.

Drohnen am Flughafenzaun in Kloten

Nicht nur in Grossbritannien, sondern weltweit sind Flughäfen kaum auf Drohnenflüge und ihre Abwehr vorbereitet. Das gilt auch für die Schweiz. Am grössten Airport des Landes in Zürich könnte es zu einer ähnlichen Situation wie in Gatwick kommen, räumt Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling ein. «Wir führen keine Statistik über Zwischenfälle mit Drohnen», sagt Zöchling, aber «wir haben schon Drohnen im Bereich des Flughafenzauns gesichtet, konnten dann aber mit dem jeweiligen Halter in Kontakt treten und ihn auf die Gefahren hinweisen.»

In der Schweiz gilt um Flugplätze und Heliports eine Sperrzone von fünf Kilometern. Sie gilt für Drohnen ab einem Gewicht von 500 Gramm aufwärts. Diese Drohnen sind registriert. Das heisst: Man kann sie einem Halter zuordnen.

Für die leichteren Drohnen gibt es «allerdings noch keine griffigen Regeln», wie Zöchling formuliert. «Aus diesem Grund sind wir, die Flugsicherung Skyguide und die Aufsichtsbehörde Bazl in regem Austausch.» Die Forderung sei, dass es auch für die leichteren Drohnen griffigere Regeln gebt. «Auch die kleinen Drohnen können grossen Schaden anrichten», so Zöchling.

Sperrungen auch in China und Dubai

Am Flughafen Zürich habe eine Arbeitsgruppe mit Beteiligung von Fluggesellschaften, Kantonspolizei, Flugsicherung und weiteren Organisationen eine Risikoanalyse durchgeführt und den Handlungsbedarf für den Flughafenbetrieb identifiziert, so Zöchling. «Es braucht eine schnelle Lösung zum Schutz von kritischen Infrastrukturen wie Landesflughäfen. Diese muss im Sinne eines Minimalziels beinhalten, dass im, über und in unmittelbarer Nähe zum abgezäunten Sicherheitsbereich der Landesflughäfen die Operation von Drohnen verboten ist.»

Ausnahmen sollten nur möglich sein, sofern die ausdrückliche Zustimmung des Flughafenbetreibers respektive der Flugsicherung vorliege. «Damit soll sichergestellt werden, dass auch kleine Drohnen von weniger als 500 Gramm Gewicht nur mit ausdrücklicher Genehmigung innerhalb des Flughafengebietes fliegen dürfen.»

Der Flughafen in Zürich steht nicht alleine da: Die «New York Times» berichtet, dass in der Vergangenheit auch Airports in China, Dubai und Kanada ihren Betrieb einstellen mussten, weil Drohnen gesichtet wurden. Ein US-Flughafen soll allerdings noch nie geschlossen worden sein.

Auch Technik bietet kaum Schutz

Zwar gibt es Firmen, die Radar-Technik anbieten, die Drohnen in Flughafen-Nähe sichten sollen, damit sie die Behörden schnell vom Himmel holen können. Doch die «New York Times» zitiert auch den Experten Tim Bean, Gründer der Firma Fortem Technologies, die Drohnen-Abwehr-Systeme an mehreren US-Flughäfen testet: «90 Prozent aller Airports auf der Welt sind nicht vorbereitet auf Drohnen

In der Schweiz gibt es laut Bazl-Sprecher Urs Holderegger kein System, um eine Drohne vom Himmel zu schiessen. Mögliche Kollateralschäden – zum Beispiel, wenn eine abgeschosse Drohne auf einen Menschen stürzt – seien zu gross. Es wurden aber beim World Economic Forum bereits Geräte gesichtet, die in der Lage sein sollen, Drohnen auzuschalten.

Allerdings soll im kommenden Jahr in der Schweiz ein neues Pilot-Projekt starten, bei dem kommerzielle Drohnenflüge angemeldet werden können, die dann offiziell bewilligt oder abgelehnt werden, wenn die Flugroute den Flugverkehr behindern würde.

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