Die 8. Edition der Röthlisberger Kollektion schreibt eine mittlerweile 30-jährige Geschichte. Selbstverständlich steht auch diesmal wieder die Kontinuität im Mittelpunkt, was kreative Gestaltung und handwerkliche Umsetzung betrifft. Gefragt waren Produkte, die die hergebrachte Typologie alltäglicher Möbel weiterdenken: Tisch und Stuhl, Sessel und Schrank, Sideboard und Regal. Wie ihre Vorgängerinnen steht die neue Kollektion im Zeichen der Innovation. Auch das hat bereits Tradition, das heisst: In Zusammenarbeit mit den Gestaltern, u.a. Atelier Oï, wurden neue handwerkliche Lösungen entwickelt. So, wenn es darum geht, ein flexibles Regal zu bauen. Oder wenn es nahe liegend war, Verzäpfungen zu perfektionieren und so die Stabilität eines Möbelstückes zu erhöhen.

Überraschende Wege

Doch die Zusammenarbeit fruchtete besonders dann, wenn es darum ging, überraschende Wege in der Verwendung von Massivholz zu erfinden. Das natürlich immer in dem Sinn, dass Materialität und Konstruktion in eine optimale Relation gebracht werden – etwa in der neuen Interpretation des Problems von Rahmen und Füllung bei Schranktüren. Hier heisst die Lösung: Die Füllung umrahmt den Rahmen oder: Das Querholz in der Füllung sorgt dafür, dass die gefugte Füllung nicht aus den Fugen gerät. Im Klartext soll das heissen: Mit zwei Querverstrebungen werden rahmenlose Türen stabil gemacht, damit sie sich bei Temperaturschwankung und Feuchtigkeit nicht verziehen können.
Dass viele der Objekte der 8. Edition in Massivholz gearbeitet sind, ist ein Akzent, der sich mit dem fest verankerten Credo der Kollektion verbindet: Gediegene, durchdachte Formen, Möbel, die gehobensten Ansprüchen der raffinierten Konstruktion, der handwerklichen Perfektion und einer unverwechselbaren Ästhetik genügen.

Op Art in Holz

Hier wird einiges miteinander verflochten – eine poetische Idee mit der komplexen handwerklichen Umsetzung beispielsweise. Die Lösung überrascht, weil sie auf schöne Weise irritiert. Die Frontseiten der Möbel muten an wie leise Wellen. Es ist ein Hin und Her zwischen den plastisch gearbeiteten Wellen des massiven Holzes und den leichten Wellen der Maserung. Das ergibt eine changierende Wirkung, die an die faszinierenden Wahrnehmungsspiele der Op Art von Vasarely oder Bridget Riley erinnert. Dabei ist nichts auf optische Täuschung angelegt. Die Möbel verleugnen ihre Materialität in keiner Weise. In dem Sinn haben sie etwas Archaisches. Dennoch: Diese Kreationen sind eindeutig von heute. Ihre Formensprache ist schlicht. Die Verarbeitung des Holzes erweist sich als derart raffiniert, dass klar ist: Die Präzision der wellenden Textur und die kompakte Verzinkung sind nur mit Hightech auf ökonomische Weise umsetzbar. Dies gilt auch für die Konstruktion der Türen.
Das Problem des Massivholzes löste man mit einer neuen Interpretation von Rahmen und Füllung: Der Rahmen ist in die Füllung eingelassen, lässt dem lebendigen Holz somit den notwendigen Spielraum und zeichnet zugleich bei geöffneten Türen ein eigenes Ornament. Die innere Rückwand der «credenza» besteht aus einem Spiegel. Er verdoppelt alles, was auf den gläsernen Tablaren steht und setzt so das optische Spiel im Innern reizvoll fort. Dem stellt das Sideboard seine spezifischen Eigenschaften zur Seite: Selten sieht man bei einem Möbel derart grosszügige Schubladen. Ja, hier ist einiges miteinander verflochten. Vor allem Solidität mit Raffinesse und Eleganz.

Anzeige

Japanisches Bijou

Gerne schaut man dieses Möbel an. Zierlich ist es, kompakt und klar. Beinahe, als ob die japanische Kunst des Papierfaltens ins edle Holz übersetzt worden sei. Gleichzeitig erinnert das Möbel an Biedermeier-Sekretäre. Wie diese hat es einen aufklappbaren Deckel, der im geöffneten Zustand und zusammengelegt als Schreibfläche dient. Will man seine Siebensachen nicht mehr sehen, wird der Schreibtisch einfach geschlossen und steht da als diskretes Bijou. Das Innenleben von «AT-AT» steht dem Äussern in nichts nach: Es bietet Platz für Laptops jeder Grösse und hat ein Fach für die Kabel sowie den Akku und eine Lederrille für Schreibgeräte. Selbstverständlich wurde auch an ein Fach für Papiere gedacht.

Lustvolle Konstruktionen

Dass ein Tischbein stabil ist: Das ist eine Kunst, die vielerlei Variationen erlaubt. Dieser Reichtum an Lösungsmöglichkeiten wird beim neuen Tisch des Atelier Oï überraschend und aufs Schönste sichtbar – ebenso wie die Lust an der Konstruktion und am Experiment. Hier spielen Kräfte und Gegenkräfte einander die Lasten zu. Hier ist jedem Teil anzusehen, welche Funktion es hat. Hier gehen Funktion und Form eine Einheit ein, die dadurch besticht, dass sie leicht wirkt: Die an den Bootsbau erinnernden Einzelteile sind aufs Minimum reduziert. Das Holz des Aurelio Vermelho-Baumes ermöglicht eine filigrane Konstruktion. Sie ist offen gelegt. Das harte Holz mit seinem metallenen Klang wird nicht lackiert, sondern fein poliert und entfaltet so seine volle sinnliche Qualität. Der Stuhl ist nach den gleichen Prinzipien gebaut wie der Tisch. In ihm verdichtet sich jedoch optisch das Spiel mit der Konstruktion noch stärker. Genau das macht ihn zu einem speziellen Stück der aktuellen Möbelarchitektur. Die Leuchte ihrerseits schreibt Oï-Geschichte weiter. Der Einsatz der biegsamen Eschenlatten knüpft an das Prinzip an, das bereits bei einer Bank und einem Paravent angewandt wurde. Es ermöglicht Leichtigkeit, Eleganz – und Flexibilität. Denn bei dieser Leuchte lässt sich die Form verändern: Mal als rohrähnlicher Körper, mal als oben schlanker Kegel oder verjüngender Schirm. So erhält jeder Raum die gewünschte individuelle Atmosphäre.

----

Nachgefragt Jürg Scheidegger: «Wir wollen Möbel für Möbel-Enthusiasten»

Jürg Scheidegger, Geschäftsführer der Röthlisberger Kollektion, Gümligen.

Was war Ihre Vision für die 8. Edition?

Jürg Scheidegger: Wir suchten nach Kontinuität, was kreative Gestaltung und handwerkliche Umsetzung betrifft. Und setzten uns zum Ziel, Möbel zu produzieren mit erfinderischen Lösungen und dem Potenzial zum Klassiker. Dass viele der Objekte der 8. Edition in Massivholz gearbeitet sind, ist ein Akzent, der sich mit dem fest verankerten Credo des Unternehmens verbindet: Gediegene, durchdachte Formen, Möbel, die gehobensten Ansprüchen der raffinierten Konstruktion, der handwerklichen Perfektion und der Ästhetik genügen.

Was macht die 8. Edition speziell?

Scheidegger: Die 8. Edition steht wie ihre Vorgängerinnen im Zeichen der Innovation. Wiederum wurden in enger Zusammenarbeit mit Gestaltern neue Lösungen entwickelt. Vor allem, wenn es darum ging, ein flexibles Regal zu bauen oder Verzäpfungen zu perfektionieren, um die Stabilität zu erhöhen. Doch vor allem wollte man überraschende Wege in der Verwendung von Massivholz erfinden.

Wo soll der Schwerpunkt in den nächsten 30 Jahren Röthlisberger Kollektion liegen?

Scheidegger: Wir wollen nach Möbeln suchen, die zwischen Handwerk und Hightech liegen, die material- und konstruktionsgerecht gebaut sind und einen möglichst langen Zeithorizont haben. Kurz: Möbel für Möbel-Enthusiasten.