Seit über 25 Jahren kreiert der begnadete Designer Rodolphe Cattin, der sich schlicht mit Rodolphe vorstellt, hunderte von Zeitmessern für renommierte Uhrenmarken ? meist inkognito. Mit einer Ausnahme. Als er nach seiner Ausbildung einen Stage bei Tissot und Omega absolviert, engagiert Longines-CEO Walter von Känel den talentierten Designer und nimmt ihn mit nach Italien, wo sich Longines-Zeitmesser zu jener Zeit nur zaghaft verkaufen. Weil die Italiener hohe Ansprüche an das Design stellen, betraut von Känel Rodolphe mit der Entwicklung einer neuen Uhrenkollektion. Dieser löst diese Herausforderung mit Bravour: Seine Kollektion Rodolphe by Longines sorgt für Furore. Bei Longines lernt Rodolphe den Mailänder Agenten Binda kennen und beginnt für dessen Sohn Marcello die Kollektionen dessen Uhrenmarke Breil zu entwerfen. So wird aus dem einst angestellten ein selbstständiger Uhrendesigner.

Sein erster Auftraggeber ist ihm bis heute treu geblieben, andere wie Cerrutti oder Esprit folgen. Sein Wunsch nach einer eigenen Uhrenmarke muss allerdings lange warten ...

Kennt die Zulieferer persönlich

1996 ist es so weit: Er gründet die Rodolphe Montres et Bijoux SA und beginnt mit der Entwicklung seiner eigenen Marke Rodolphe. Ein Unterfangen, das Zeit beansprucht, denn seine Zeitmesser sollten anders sein ? «différent essentiel» lautet sein Credo. Das ist ihm eindrücklich gelungen: Seine Handschrift ist durch alle fünf Kollektionen ? Instinct, Basic, Paninaro, Miura und Substance ? unverkennbar. Auch wenn alle Modellreihen anders sind, fügen sie sich doch in einem unverfälscht reinen Stil zu einer Einheit zusammen, die bereits aus Distanz durch die besondere Gehäuseform und den schön implementierten Bandanschluss auffallen. Die eigenwillige Zifferblattgestaltung verleiht Rodolphes Zeitmessern ein unverkennbares und gut ablesbares Gesicht. Die Jury von «Montres Passion» verlieh Rodolphes Reiseuhr Instinct Basic 4851 mit vier gleichwertigen Zeitzonenanzeigen soeben den 3. Preis.

Benötigte Rodolphe für seine erste Kollektion Instinct noch sieben Jahre Entwicklungszeit, folgen die weiteren Schlag auf Schlag. Eine Herstellung bei Unternehmen in nächster Umgebung zu 100% ist dem Perfektionisten sehr wichtig ? Transparenz darüber gibt er auf seiner Homepage und im Produktkatalog. Trotz kleiner Serien bleiben die mechanischen Automatikuhren mit Ausnahme seiner beiden Tourbillon-Uhren in einem Preissegment von 3500 bis 35000 Fr. zahlbar. Die ? vorläufige ? Krönung seiner Kreationen ist das weltweit grösste Big Tourbillon Instinct, auf dessen Durchmesser von 23 mm die grosse Initiale R sitzt. Eine weitere Besonderheit: Die Stunden, Minuten und die 7-Tage-Gangreserve zeigen sich auf Walzen, die über Druck auf die grosse, links angebrachte Krone gesteuert werden. Lanciert wird sie 2009.

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Partnerschaft mit Watchland

2005 geht Rodolphe mit dem Haus Frank Muller Watchland, das unter CEO und Mehrheitsaktionär Vartan Sirmakes (52) neu aufgestellt ist, eine Partnerschaft mit knapper Minderheitsbeteiligung ein. Hier findet sich Rodolphe im Bunde weiterer Marken von Einzelkämpfern wie Alexis Barthelay, Martin Braun, Pierre Michel Golay, Christian Huygns oder Pierre Kunz unter seinesgleichen. Durch die Zugehörigkeit zu Watchland in Genf-Genthod befreit sich Rodolphe von zahlreichen organisatorischen Aufgaben und kann seine Designinteressen wieder in den Mittelpunkt stellen. Er entwirft und entwickelt mit seinem auf 15 Personen gewachsenen Team bis und mit Prototyp die Zeitmesser seiner Marke Rodolphe. Die Uhrwerke, Gehäuse, Zifferblätter und Saphirgläser werden in Watchlands Produktionsstätten hergestellt und auch dort assembliert und geprüft. 2007 konnte Rodolphe von der Credit Suisse ein historisches Gebäude am Place Pury in Neuenburg erwerben. Seit dem Umbau wirken im Dachgeschoss im Studio seine Designer und darunter die Teamplayer der Marke Rodolphe.

 

 


Linde Werdelin: Mehr als nur ein ZeitzeigerRichard Mille: Gefragt ist die Extravaganz

Die beiden Jugendfreunde aus Dänemark haben sozusagen «Uhren im Blut». Während Jorn Werdelins Grossvater als Goldschmied ein Juweliergeschäft in Kopenhagen führte, das sein Vater mit weiteren Boutiquen ausbaute, sammelte Morten Linde bereits als Kind Uhren und wollte schon immer Uhrenentwickler werden. Seit ihrem sechsten Altersjahr sind die beiden unzertrennliche Freunde. Und beide fahren seit diesem Alter Ski, was für Dä- nen nicht gerade selbstverständlich ist ? Doch ihre Familien verbrachten regelmässig Skiferien in den Alpen, Werdelins in den französischen, Lindes in den Schweizer Bergen.

Nach dem Studienabschluss wurde Werdelin Banker in Paris und London. Linde gestaltete Möbel und Stereoanlagen für Bang & Olufsen. 1993 fuhr er nach Basel an die Uhrenmesse und präsentierte Patek Philippe und TAG Heuer vier eigene Entwürfe. Dieses Treffen führte zu mehreren Aufträgen. Als Funktionalist (er möchte nicht als Designer bezeichnet werden) sind ihm Funktionalität und Form am wichtigsten, denn sie geben den Produkten ihre Persönlichkeit.

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Als sich Jorn Werdelin zuhause von einer Rückenverletzung, die er sich bei einem Skisprung zuzog, erholte, rief ihn Morten an und schlug ihm vor, gemeinsam eine ganz spezielle und sehr nützliche Uhr zu entwickeln und produzieren zu lassen. Das war Musik in den Ohren Werdelins. So gründeten die beiden das Linde Werdelin Studio 7 mit Sitz in Kopenhagen und London im Jahr 2002.

Primär funktionaler Luxus

Das Ziel war einfach und klar, der Weg steinig und lang. Es sollte eine Sportuhr werden, die dem Träger bei Bedarf echten Schutz, Orientierung und Unterhaltung bietet, aber ohne Kompromisse bezüglich eleganter Ästhetik. In vier Jahren Entwicklungszeit haben Linde Werdelin das Konzept einer hilfreichen, luxuriösen Sportuhr neu erfunden. Im Oktober 2006 lancierten sie ihr erstes Produkt: Die Biformeter-Armbanduhr mit dazugehörigem Land-Instrument. Sie bildet eine nahtlose Verbindung von höchster Uhrmacherkunst mit einem äusserst leistungsfähigen wie nützlichen digitalen Sportinstrument.

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Inzwischen sind verschiedene Modelle der Linien Elemental und Two Timer (mit zweiter Zeitzone) aus Edelstahl 316L oder 18 Karat Gold erhältlich. Alle mit einseitig drehbarer Taucherlünette, Gehäuseboden und Krone verschraubt, womit eine Wasserdichtigkeit bis 300 m garantiert wird. Sie ticken mit mechanischen Automatikkalibern von ETA und werden in Biel hergestellt. Selbstverständlich können die Sportuhren und die Instrumente Land oder Sea einzeln erworben werden.

Die Instrumente sind in den Linde-Werdelin-Ateliers in Kopenhagen entwickelt und aus anodisiertem Flugzeugaluminium aus einem Block gefräst worden. Die grafischen LCD-Anzeigen mit EL-Hintergrundbeleuchtung umfassen die folgenden Funktionen: Temperatur mit Warnung bei Gefriergefahr, Pulsmesser mit Kalorienzähler, Chronograph, 3-Achsen-Kompass mit Neigungssensor sowie Höhenmesser mit Isothermen, Barometer und Logbuch. Extern angebracht sind Funksensoren für Puls, Temperatur, Höhenmesser und Barometer. Sie funktionieren mit aufladbarem Li-Polymer-Akku (Ladegerät mit weltweit nutzbarem Adapterstecker).

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Das Gerät wird ganz einfach über die Verbindungspunkte bei 3 und 9 Uhr auf die Biformeter aufgesetzt. Ob am Handgelenk eines Bergsteigers, Tiefschneefahrers, Tauchers oder eines Geschäftsmannes auf Reisen, die Kombination aus Biformeter-Uhr und Land-/Sea-Instrument steht für das weltweit erste kompromisslose Hochleistungssport-Instrument.

Obwohl in Südfrankreich beheimatet, hat Richard Mille viele Freunde in der Schweiz und kennt hier die meisten Uhrenhersteller und Zulieferer der Haute Gamme. Das verdankt er seinem Werdegang in der Uhrenbranche. Seine erste Anstellung findet er 1974 in der Uhrenfabrik Anguenot in Besançon, nahe der Schweizer Grenze. Dort verkauft er als Exportchef preiswerte Ankeruhren nach Lateinamerika. Unter zunehmendem Druck von Quarzuhren aus Japan verschlechtert sich aber der Absatz. 1981 wird Anguenot vom Flugzeug- und Autobauer Matra übernommen. Für die neue Matra Horlogerie wird Richard Mille zum Direktor ernannt.

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Vorlieben für alles Technische

Woher seine Vorliebe für alles Technische kommt, kann sich Mille nicht erklären ? sein Vater war Buchhalter. Seit jeher interessiert sich Mille für die Formel1 und nimmt selbst an Rennen für Sport- und Rennwagen der Oldtimer-Klasse teil. «Mich interessiert an der Formel 1 alles Technische weit mehr als der Autorennsport an sich», sagt er dazu. «Formel 1 ist enorm reich an Erfahrungen punkto Technik, Funktion und Material. Das Wissen darum ist für mich heute ein Fundus für neue Ideen in der Uhrmacherei.»

Ein erster Schritt in Richtung Selbstständigkeit folgt 1992, als er mit dem Pariser Juwelier Alain Mauboussin ein gemeinsames Unternehmen gründet, deren Aktien Mille zu 40% übernimmt. Das Duo entwickelt nicht nur Schmuckuhren, sondern auch sportlich-elegante Uhren mit Komplikationen. So lernt Mille den jungen Uhrenkonstrukteur Giulio Papi von Renaud & Papi (heute im Besitz von Audemars Piguet) kennen. Gemeinsam mit Papi entwickelt Mille für Mauboussin Tourbillon-Uhren mit Schmucksteinplatinen.

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Mille wird zum Generaldirektor der Uhren- und Schmuckabteilung und in die Mauboussin-Familienholding befördert. Doch als sich die beiden Brüder Alain und Patrick Mauboussin in Streitereien verwickeln, kündigt Mille 1999, verkauft ihnen seinen Aktienanteil und sucht seinen langjährigen Freund Dominique Guenat vom Private-Label-Uhrenunternehmen in Les Breuleux auf. Die Zeit für sein längst festgeschriebenes Konzept seiner eigenen Zeitmesser ist reif.

Die beiden werden sich rasch einig: Mille entwickelt seine Uhrenlinie nach eigenen Vorstellungen; Guenat stellt sie in Les Breuleux her. Dazu gründen die beiden die Horomêtrie SA mit Sitz in Les Breuleux, um Herstellung und Distribution vom bestehenden Betrieb der Guenat SA abzutrennen. Für die Entwicklung wendet er sich erneut an Papi, der Milles Grosszügigkeit in Sachen kompromisslose Technik sehr schätzt. Und so überrascht zur Jahrtausendwende ein völlig neuer Zeitmesser die Machowelt: Das Tourbillon RM 001-1, welches ausser der Zeit die Gangreserve und das Drehmoment des Federhauses anzeigt, eingeschalt in einem dreilagigen Tonneau-Gehäuse, wasserdicht verschraubt mit acht auffällig grossen Schrauben.

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Ideen für weitere 20 Jahre

Das extrem komplizierte Tonneau-Gehäuse wird von Donzé/Baume in Les Breuleux hergestellt. «Egal, ob es sich ums Gehäuse, eine Brücke oder bloss um eine Schraube handelt, jedes einzelne Stück in einer anspruchsvollen Uhr der Haute Gamme hat seine ganz spezielle Aufgabe zu erfüllen ? und nur diese, aber diese haargenau», betont Mille. Sein Hauptpreissegment liegt zwischen 35000 und 100000 Fr.; Spitzenprodukte, wie etwa das Chrono-Tourbillon, worin sechs Entwicklungsjahre stecken, können auch über 200000 Fr. kosten. Seine Kleinserien verkaufen sich zu je einem Drittel in Europa, Asien und den USA sehr gut, doch Richard Mille sagt: «An einem raschen, rein kaufmännischen Erfolg bin ich nicht interessiert, denn ich bin überzeugt, für die nächsten 20 Jahre genügend Ideen für technische Errungenschaften und eigenständige Kreationen zu haben. Ich wäre frustriert, diese nicht umsetzen zu können.» Vom 28. bis 30. November 2008 stellt er seine Objekte der Begierde am Salon International de l?Horlogerie Préstige im Louvre Paris aus.

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