Eine umfangreiche Produktdeklaration soll auf die Vorderseite der Verpackungen von Lebensmittel-Fertigprodukten kommen, in mindestens 3 mm hohen Buchstaben und deutlich vom Hintergrund abgehoben. Die EU-Kommission erhofft sich davon den Rückgang von Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten. Sobald die neue Regelung in Kraft ist – was noch einige Zeit dauern kann –, wird sie die Schweiz gemäss einer Information des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) übernehmen müssen.

Mit Überraschungen rechnen

Vorgeschrieben ist die Angabe des Energie- und Fettgehaltes, des Gehalts an gesättigten Fettsäuren und Kohlehydraten und speziell des Zucker- und Salzgehaltes, jeweils bezogen auf 100 g/100 ml des Lebensmittels oder auf eine Portion. Diese Informationen müssen zusätzlich durch Prozentzahlen in Relation zur empfohlenen Tagesmenge (ETM) gesetzt werden. Diese ergibt sich aus dem durchschnittlichen Energiebedarf von normalgewichtigen und gesunden Männern und Frauen zwischen 19 und 50.

Damit kommt auf der Verpackungsfrontseite eine geballte Ladung von Text und Zahlen zusammen, geht es doch um sechs verschiedene Aspekte des Lebensmittels. Die Grafiker sind gefordert, wenn die Produkte im Ladenregal trotz schwindendem Spielraum für das Design noch attraktiv wirken sollen. Und sie müssen mit Überraschungen rechnen. Den EU-Staaten wird anheim gestellt, die obligatorischen Angaben durch visuelle Elemente zu ergänzen.

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In England existieren Grün-Gelb-Rot-Symbole wie Verkehrsampeln – und höchstwahrscheinlich werden sie auf freiwilliger Basis bald auch in Deutschland eingeführt. Davon erwarten die Konsumentenschützer forscheren Zugriff auf Lebensmittel, deren Sechserliste mehr Grün aufweist als Gelb oder gar Rot und entsprechende Zurückhaltung bei überwiegenden Rotlichtern.

Individuelle Umrechnung

Doch wer ist imstande, ohne Taschenrechner die vom Morgen bis Abend konsumierte Nahrungsmenge im Hinblick auf Energie, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlehydrate, Zucker und Salz so zu kombinieren, dass am Ende sechsmal 100% herausschauen, also die ETM, und nirgends weniger oder mehr? Zudem würde es individuelle Umrechnungen in die optimale Tagesmenge für Kinder, Stubenhocker, körperlich arbeitende oder intensiv Sport treibende Personen brauchen.