Zurückhaltend wirkt er, unscheinbar nervös, bei der Eröffnung einer neuen Möbelfiliale. Der Mann heisst Thomas Kern. In wenigen Tagen ist er der neue Chef der Flughafenbetreiberin Unique und damit des grössten Flughafens der Schweiz.

Die Einweihung der Einrichtungsfiliale liegt über zehn Jahre zurück. Damals war der heute 53-Jährige noch Expansionsleiter von Interio. Er meisterte diese Aufgabe mit Erfolg, genauso wie alle anderen innerhalb der Globus-Gruppe. Zielstrebigkeit, Teamorientiertheit und seine fundierten Kenntnisse des Detailhandels trugen dazu bei. Alles Eigenschaften, die er als neuer Kopf des Zürcher Flughafens gebrauchen kann. Vor allem Letztere. Denn noch immer ist das Kommerzgeschäft für die schwarzen Zahlen in der Unique-Bilanz verantwortlich. Das Fluggeschäft ist defizitär. Dies mittelfristig zu ändern, wie es sein Vorgänger Josef Felder angekündigt hat, liegt nun an ihm. Und nicht nur das. Kern muss sich als starke Kraft profilieren, die zwischen den zahlreichen Interessengruppen rund um den Flughafen vermitteln kann. Dabei könnte ihm zugute kommen, dass er vor seinem Unique-Engagement zu den Fluglärmkritikern gehörte.

Und er muss, um der Vorgabe des Bundes nach einem «bedürfnisorientierten Angebot» nachzukommen, die konkrete Planung für den Ausbau der bestehenden Infrastruktur in Angriff nehmen. Dies ist alles andere als einfach, hagelt es doch bereits Klagen, wenn neue, effizientere Pistenabrollwege erstellt werden sollen. Der Flughafen emotionalisiert, und nicht selten wird auf den Mann, sprich den Chef, gespielt anstatt sachlich diskutiert.

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Bett mit Sprungfedern

Kern legt sich zwar in ein gemachtes Bett. Aber eines, bei dem sich jeden Moment eine Sprungfeder lösen kann. So sind die Wachstumszahlen bei den Passagieren wie beim Umsatz eindrücklich, der Schuldenabbau kommt gut voran und das Risiko durch die hängigen Entschädigungsforderungen der von Fluglärm betroffenen Anwohner wurde deutlich verkleinert. Auch verfügt das Drehkreuz noch über freie Kapazitäten, eine moderne Infrastruktur, ein kompetentes und gut vernetztes Management sowie grosse Landreserven, die in den nächsten Jahren genutzt werden sollen. Demgegenüber stehen aber wachsende Kosten, etwa im Bereich Sicherheit, und ein enges politisches Korsett, wie es in Europa einzigartig ist. Dieses droht mit Klagen und neuen Plafonierungsideen noch enger zu werden. Alles schlechte Vorzeichen für die grösste Herausforderung, die auf Kern wartet: Den nächsten Ausbauschritt des Flughafens Zürich. Trotz der bestehenden Reserven könnte – weiterhin starkes Wachstum vorausgesetzt – bereits in zehn Jahren die Nachfrage das Angebot übersteigen. Um dies zu verhindern, müssten eigentlich schon in wenigen Jahren die Bagger in Kloten auffahren.

Shoppingcenter mit Landebahn

Das scheint angesichts der derzeitigen politischen Landschaft unwahrscheinlich. Trösten kann sich Kern immerhin damit, dass seine Kollegen in Genf und Basel mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Nur nützen wird ihm das bei seiner Arbeit wenig. Mehr die Gewissheit, dass der Flughafen auch ohne Erweiterung nachhaltig und vor allem hochrentabel wachsen kann. Als Shoppingcenter mit Landebahn.

 

Die Welt der Swiss wird rund

Die Schweizer Fluggesellschaft befindet sich auch Anfang 2008 im Steigflug. Unter den Fittichen der deutschen Eignerin Lufthansa entwickelt sich die Swiss prächtig und stützt mit ihrem Wachstum die Schweizer Landesflughäfen Zürich, Basel und Genf.

Der oberste Kapitän der Swiss, Christoph Franz, hat seit dem Nein des Zürcher Stimmvolks zur Plafonierung und dem Ja zum Gegenvorschlag noch mehr Grund zur Zufriedenheit: Das Abstimmungsergebnis lässt Raum für Wachstum und damit auch Raum für unternehmerische Entscheide. Mit der anstehenden Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich besteht zudem die Möglichkeit, sich international im besten Licht zu präsentieren und dem guten Image noch mehr Glanz zu verleihen. Diese Chance will Franz packen.

Ebenso will er expandieren. Ein erster Meilenstein sind die von der Schweizer Wirtschaft und Politik sehnlichst gewünschten neuen Strecken von Zürich nach Delhi und Schanghai. 2008 wird zeigen, ob die erstmals in der Swiss-Geschichte zusätzlich aufgenommenen Langstreckendestinationen rentabel bedient werden können.