Mit dem baldigen Eintritt des deutschen Harddiscounters Lidl wird der Preiskampf im Detailhandel härter. Einen Vorgeschmack darauf gab es in den letzten Tagen: Nach Coop senkten auch Manor und Migros ihre Preise auf Markenartikel.

Der Preiskampf führt auch zu harten Auseinandersetzungen mit den Lieferanten. Zwar haben alle drei Detailhandelsgiganten laut eigenen Angaben die Reduktionen ohne Preisnachlässe der Markenartikelproduzenten realisiert. Doch das dürfte sich bald ändern, wie Coop-Chef Hansueli Loosli klarmacht: Preiserhöhungen der Lieferanten werde er nicht akzeptieren.

Coca-Cola hat Preise erhöht

Trotzdem wagte es Coca-Cola, die Preise an die Detailhändler auf den 1. Januar um durchschnittlich 3% zu erhöhen. «An dieser Preispolitik wird nichts geändert. Wir halten bis auf weiteres daran fest», erklärt Coca-Cola-Sprecher Matthias Schneider auf Anfrage. In der Regel würden die Preise für ein Jahr fixiert, erklärt er. Coca-Cola wird auch im Coop verkauft.

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«Preisverhandlungen sind am Laufen», sagt dagegen Coop-Sprecher Karl Weisskopf, ohne aber die Namen der betroffenen Markenartikelproduzenten zu nennen. «Markenartikler sollen auch einen Beitrag an die Preisreduktion leisten und nicht als Trittbrettfahrer funktionieren.» Schliesslich würden sie auch vom Mehrumsatz profitieren, meint Coop-Sprecher Weisskopf. Zudem habe Nestlé trotz der wirtschaftlich schlechteren Zeiten ihre Margen erhöht.

Nestlé-Sprecher Philippe Oertlé kontert: «Die Margen der grossen Detailhändler in der Schweiz sind höher als in den anderen europäischen Ländern.» Die Preiskonditionen für dieses Jahr habe Nestlé bereits letztes Jahr ausgehandelt. Aktionen dagegen würden laufend diskutiert und verhandelt. Oertlé sieht keinen Grund, die Preiskonditionen zu verändern. Wie nervös der Handel ist, zeigt, dass selbst grosse internationale Markenartikelhersteller öffentlich keine Stellung zu Preisverhandlungen beziehen wollen: «Jede Erwähnung schadet uns», meint der CEO eines internationalen Markenartikelkonzerns auf Anfrage.

Promarca-Chefin kritisiert Coop

Deutliche Worte kommen dagegen von der Direktorin des schweizerischen Markenartikelverbandes Promarca, Anastasia Li-Treyer. Sie kenne Beispiele von Markenartikellieferanten, welche die Preise reduziert hätten, ohne dass die Läden die Reduktionen später an die Endkonsumenten weitergaben. Um welche Produkte es sich dabei handelt, will sie nicht verraten. «Coop stellt jedes Jahr neue Forderungen, um sich ihre Strategien zu finanzieren - dies leider mit Erfolg. Es kann aber nicht sein, dass ein Lieferant beispielsweise einen Beitrag an eine Preisstrategie leisten muss, die nicht den Endkonsumenten weitergegeben wird und die auch nicht spezifisch die Marke unterstützt, sondern die eine reine Querfinanzierung von Coops Strategien darstellt», erklärt Li-Treyer.

Zudem kritisiert die Promarca-Direktorin die jüngsten Preisreduktionen: «Die Preisabschläge bei Markenartikeln können beim Konsumenten für Verwirrung sorgen - etwa, wenn nur ein einzelnes Produkt einer Markenlinie billiger angeboten wird.»

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Trotz kämpferischen Worten der Markenvertreterin wird der Kampf zwischen Detailhändlern und Markenartikellieferanten wohl zugunsten des Detailhandels ausgehen. Das hat bereits der letzte grosse Kampf zwischen Denner und Nestlé im Fall Cailler gezeigt.