Zwei legendäre Schweizer Unternehmer starten neu: Flaviano und Bruno Bencivenga. Bruno gründete die Schweizer Schuhmarke Navyboot, sein jüngerer Bruder Flaviano galt als kreativer Kopf des Unternehmens, das Bruno im Sommer 2008 an den Denner-Erben Philippe Gaydoul verkaufte.

Nun sind die beiden Bencivenga ­zurück im Schuhgeschäft. Auf Anfang ­Januar übernehmen die Branchenveteranen den Bereich Schuhe im Zürcher Edelkaufhaus Jelmoli. Sie mieten die Fläche, immerhin rund 300 Quadratmeter, und führen sie als «Shop in Shop» in eigener Verantwortung und tragen auch das Umsatzrisiko. «Ich habe die Arbeit mit Schuhen und Leder vermisst», sagt Flaviano Bencivenga. Nun kam das Angebot von Jelmoli «und für mich die Chance, wieder einzusteigen». Bisher hat er sich, nach seinem Ausstieg bei Navyboot, stark um den «Playlife»-Store an der Sihlstrasse gekümmert, den die Brüder als Franchise für die Benetton-Gruppe führen. Playlife ist eine Modemarke des italienischen Konzerns.

Flaviano wird das neue Geschäft mit seinem Neffen Licio Greco führen, der bereits jetzt als Abteilungsleiter Schuhe bei Jelmoli fungiert – derzeit führt das Kaufhaus den Schuh­bereich selbst. Der Clou: Die beiden Brüder lancieren dazu eine eigene Kollektion, die unter dem Namen Benci Brothers auf den Markt kommen wird. «Rund 40 Prozent» des Sortiments, das im Jelmoli angeboten werden soll, dürfte auf Benci Brothers entfallen, 60 Prozent sollen von anderen Topmarken kommen. Dazu wollen Bencivenga und Greco auch «einiges an ­Research investieren» und auch unbekanntere Marken ins Programm nehmen. Da Schuhe ein erklärungsbedürftiges Produkt sind und jeweils nur eine Grösse ausgestellt sein wird, ist der Personalbedarf beträchtlich: Flaviano rechnet mit fünf bis sieben Mitarbeitern.

Der Name Benci Brothers weckt Erinnerungen. Die beiden hatten schon zu Navyboot-Zeiten eine Edelkollektion unter diesem Namen lanciert. Da die Markenrechte an Benci Brothers immer in ihrer gemeinsamen Firma Fargo lagen, gingen sie beim Verkauf nicht an Navyboot über. Geplant sind rahmengenähte Herrenschuhe, die in Italien produziert werden, und zwar «eher Basics, nicht High Fashion», sagt Flaviano Bencivenga. Er habe Freude an währschaften, langlebigen und zeitlosen Schuhen, den Preisrahmen sieht er bei 500 bis 600 Franken. Günstiger seien Rahmengenähte nicht machbar, jedenfalls nicht, wenn man eine hochwertige Fertigung in Italien wolle. Die Bencivengas lassen in einem Familienbetrieb («die machen sogar Einzelanfertigungen») in Novara herstellen. Eine Damenkollektion soll ebenfalls kommen. Insgesamt sind 120 verschiedene Modelle angedacht. Davon dürften rund 40 Modelle auf das Herrensortiment entfallen. Im Februar sollen die ersten Benci-Brothers-Treter bei Jelmoli stehen. 

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Autor: Dirk Ruschmann