Das Jahr war nicht einfach für Coop. Preisabschläge, ins Ausland abwandernde Konsumenten, Fleischskandal –das alles führte beim Schweiz-Geschäft des erfolgsverwöhnten Basler Detailhändlers zu einer Umsatz-Schrumpfkur. Trotzdem kann man sich einen Orden anheften.

Dadurch, dass die europaweit tätige Tochter TransGourmet erstmals voll konsolidiert wurde, dürfte man Erzrivalin Migros beim Umsatz überholt haben. TransGourmet legte 2011 um 5,4 Prozent zu und steht mit einem Total von 8,2 Milliarden Franken für gut 30 Prozent des ganzen Umsatzes der Coop-Gruppe.

Ein aus fünf Betrieben bestehender milliardenschwerer Abhol- und Belieferungs-Koloss wie TransGourmet, der von Frankreich bis Russland tätig ist, müsste eigentlich einen CEO haben. Einen Big Boss, der Baustellen identifizieren, Synergien erblicken und Expansionspläne überwachen kann. Das fand einst auch Coop-VR-Präsident Hansueli Loosli: «Ich gehe davon aus, dass wir Ende 2011 einen Chef haben, es pressiert aber nicht», sagte er letzten Februar im ­BILANZ-Interview.

«Wir brauchen den Richtigen»

Jeglicher Rest von Termindruck hat sich in der Zwischenzeit verflüchtigt. Denn von der Suche nach einem TransGourmet-CEO ist keine Rede mehr. Bei der Coop-Pressestelle heisst es nun plötzlich: «Fünf CEO führen die fünf Firmen und berichten direkt dem TransGourmet-VR. Dies ist eine pragmatische und unbürokratische Lösung. Ein CEO für TransGourmet drängt sich daher zurzeit nicht auf.»

Anzeige

Auf Nachfrage wird bestätigt, dass man gar nie einen CEO gesucht habe. Die Sache erinnert an das Geplänkel 2011, als Loosli wegen verspäteter Nachfolgeregelung erst mit Verzögerung den Posten als VR-Präsident von Swisscom übernehmen konnte.

Vielleicht spielte bei der anfänglichen Suche nach einem TransGourmet-CEO nicht zuletzt ein Nebensatz eine Rolle: «Wir brauchen den Richtigen.» Das sagte Loosli, der als TransGourmet-­VR-Präsident amtet, im letztjährigen ­BILANZ-Gespräch. Beobachter, die Loosli engagiert in den Lagerhallen der deutschen TransGourmet-Betriebe herumweibeln sehen, sind jedenfalls überzeugt: Er selber sei der Richtige.