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Detailhandel: Wer ist Nächster?

Trotz Rückzug ist für Rewe die Rechnung aufgegangen. Die Konzentration wird weitergehen.

Von Gret Heer
am 08.09.2005

Denner bleibt ein Zwerg im Vergleich mit den beiden orangen Riesen. Der Schweizer Discounter kann mit dem Kauf von 146 Pick-Pay-Filialen sowie dem Logistik-Center Egerkingen seine Position im Lebensmittel-Detailhandel allerdings stärken und seinen Umsatz von 1,843 Mrd Fr. auf rund 2,5 Mrd Fr. erhöhen. Zum Vergleich: Die Migros-Genossenschaften erzielten letztes Jahr 14,237 Mrd Fr. und Coop 13,138 Mrd Fr.

Frankreich dank der Schweiz

Trotz dem Rückzug von Rewe im Schweizer Detailhandel ist die Rechnung von Rewe unter dem Strich aufgegangen. «Wir haben kein Geld verloren», sagt Alain Caparros, Mitglied der Rewe-Geschäftsleitung. Im Visier hatte die deutsche Rewe beim Kauf der Bon appétit vor zwei Jahren vor allem deren Tochter Aldis Service Plus in Frankreich, wo mehr Wachstum erwartet wird als in der Schweiz. Für die Mitarbeiter von Rewe Schweiz ist die Rechnung allerdings nicht aufgegangen. 250 Stellen werden nun abgebaut.

Der Aufstieg Denners ist der Abstieg Rewes im Schweizer Detailhandel. Die Franchisenehmer von Pick Pay hat Rewe der Valaisanne Holding übertragen und die Pläne für eine helvetische Penny-Kette begraben. In der Gastronomieversorgung ist Rewe aber weiterhin in der Schweiz tätig. Mit Coop hat sie das Joint Venture Transgourmet gegründet, zu dem der Belieferungsgrosshandel Howeg, die Cash+Carry-Märkte Prodega und Growa, Bell Gastro und Aldis Service Plus in Frankreich gehören.

Diese Zusammenarbeit mit Coop war der Stolperstein für Rewe im Schweizer Detailhandel. «Wir haben damit Migros vor den Kopf gestossen», sagt Caparros. «Das war ungeschickt.» Migros will nämlich auch in der Gastronomiebelieferung stärker wachsen. Als Vermieterin von 65 Pick-Pay-Filialen spielt Migros eine entscheidende Rolle: Einzelne Genossenschaften verlangten eine Beschränkung des Warensortiments von Pick Pay, etwa keine Frischprodukte zu führen. Nun hat Migros mit Denner ihren Wunschpartner für die Pick-Pay-Filialen erhalten. Denner wird weiterhin mit Alkohol und Tabak das Migros-Sortiment ergänzen. Ob Migros weit blickend ein Auge auf Denner geworfen hat, bleibt abzuwarten.

Gerüstet gegen Ausländer

Denner ist nun besser gerüstet gegen die kommenden deutschen Discounter Aldi und Lidl. Da er nun weiteres Terrain besetzt, kann er gegen die Markenartikelproduzenten selbstbewusster auftreten.

Trotzdem wird es für die Schweizer Lebensmittelhändler härter werden. Sie können gegenüber der kommenden ausländischen Konkurrenz wie Aldi oder Lidl nur verlieren. Diese werden ihnen so oder so Marktanteile wegschnappen. Sie stehen nämlich in der Defensive, da keiner der grossen Schweizer Foodanbieter im ausländischen Lebensmittel-Detailhandel tätig ist. Ausnahmen gibt es in grenznahen Gebieten.

Die Konzentration im Schweizer Detailhandel wird weitergehen. Darin ist sich die Branche einig. Doch wen wird es nach Pick Pay als Nächsten treffen? Detailhandelsketten, die weniger als 1 Mrd Fr. umsetzen, sind laut Denner-Chef Gaydoul «suboptimal». Dazu zählt die Schweizer Spar-Kette mit einem Umsatz von 413 Mio Fr. für 2004.

Stefan Leuthold, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates von Spar Schweiz, betont dagegen: «Grösse allein entscheidet nicht, wie das Beispiel von Bon appétit beweist.» Mit seinen Standbeinen Detailhandel, Belieferungsgrosshandel und Cash & Carry setze das Familienunternehmen übrigens 770 Mio Fr. um. Und «jede Veränderung im Detailhandel bringt Chancen - auch für uns.» 108 ehemalige Primo/visàvis-Händler habe er gewinnen können. Leuthold hofft zudem, künftig auch Pick-Pay-Franchisenehmer für Spar zu gewinnen.

Volg mit einem Umsatz von 947 Mio Fr. sieht sich als Anbieter von Dorfläden in der Schweizer Detailhandelslandschaft gut positioniert. Zudem steht hinter Volg als Mutterhaus das Landwirtschaftsunternehmen Fenaco.

Kleine Nischenanbieter, die sich klar positionieren und von den Grossen abgrenzen, werden in der Schweizer Detailhandelslandschaft überleben. Dabei werden Kooperationen immer wichtiger werden, um Kosten einzusparen. Kooperation auch mit Branchenfremden.

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