Seit November 2008 schreibt die hiesige Uhrenindustrie Minuszahlen, erstmals wieder seit März 2005. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Ausfuhren im November 2008 um 15,3%, im Dezember um 7,6% und im Januar 2009 um happige 21,6% zurück. Die Februar-Werte werden Ende dieser Woche publiziert - und sie schliessen sich - ausgerechnet vier Tage vor der Eröffnung der weltgrössten Uhrenmesse in Basel - nahtlos an die Abstürze der Vormonate an. Sowohl Branchenleader Swatch wie Konkurrent Richemont, aber auch Rolex und weitere Unabhängige trösten sich allerdings damit, dass mit 2008 und einem Exportvolumen von 17,0 Mrd Fr. das absolute Rekordjahr als Vergleichsbasis dient. Breche die Nachfrage nicht noch stärker ein, so werde man sich im laufenden Jahr in etwa in der Brandbreite zwischen 2006 (13,7 Mrd Fr.) und 2007 (15,9 Mrd Fr.) bewegen, heisst es beim Dachverband der Uhrenindustrie FH in Biel.

Die Vorzeichen allerdings deuten in Richtung eines gröberen Problems. In den letzten Wochen häuften sich Meldungen von Entlassungen. 70 von 435 Beschäftigten sind bei Roger Dubuis in Genf betroffen, 22 von 270 bei Ebel in La Chaux-de-Fonds, 24 von 270 bei Zenith in Le Locle, 50 von 260 bei MGI (Movado, Concord) in Biel und La Chaux-de-Fonds und 13 bei Raymond Weil in Genf. Die Genfer Manufaktur Villemont deponierte zudem ihre Bilanz und meldete Konkurs an. Villemont wird nicht die einzige Marke sein, die verschwindet. Branchenkenner gehen davon aus, dass bis Ende 2009 20 bis 30 Marken von der Bildfläche verschwinden, dazu auch ein paar der über 600 Zulieferer.

Chancen für die Grossen

Des einen Leid wird auch in der Uhrenindustrie zu des anderen Freud. Die grossen, in die Konzerne wie Swatch, Richemont oder LVMH eingebundenen Namen werden gestärkt aus der Krise hervorgehen. Auch Labels wie Patek Philippe. Philippe Stern, Besitzer und Präsident der Genfer Nobelmarke, gibt sich mit etwas grösserem Zeithorizont zuversichtlich: «Für 2009 hege ich kaum noch Hoffnungen für eine grundlegende Trendwende. Aber 2010 kann langsame Besserung bringen.»

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