Laufend neue deutsche Anbieter drängen auf den Schweizer Markt. TUI Suisse, die Nummer drei des Landes mit Sitz in Hannover, hat es vorgemacht und will dieses Jahr weiter zulegen: «Der Umsatz des Veranstaltergeschäfts liegt prozentual zweistellig im Plus», erklärt Martin Wittwer, CEO von TUI Suisse. 2008 könnte man die Umsatzschwelle von 800 Mio Fr. knacken.

Auch der fünftgrösste Anbieter Deutschlands, FTI Touristik, partizipiert seit Jahren an der hiesigen Reisebranche. Boris Raoul, Geschäftsführer von FTI Touristik mit Sitz in München, sagt: «Die Schweiz unterliegt grossen Veränderungen und wir wollen dabei aktiv eine Rolle spielen.» Im Geschäftsjahr 2006/07 erzielte die Basler Niederlassung nach eigenen Angaben einen Umsatz von 47,3 Mio Euro (2005/06: 34,7 Mio Euro). Obwohl man laut Raoul auf konstantes Wachstum setze, sei der Umsatz in diesem Geschäftsjahr wegen der Kapazitätsanpassungen rückläufig.Hierzulande neu im Geschäft ist der Kölner Detailhändler Rewe – im Tourismus Deutschlands Nummer drei – über ein Joint Venture mit dem Detailhändler Coop. Deren Reisetochter ITS Coop Travel hat 2007 einen fulminanten Start hingelegt. «Im ersten Geschäftsjahr erreichten wir mit 29000 Gästen den budgetierten Umsatz von 35 Mio Fr.», sagt Geschäftsführer Andreas Restle. 2008 strebe man einen Umsatz von 55 Mio Fr. an. «Die Hochrechnung erwartet, dass das Ziel mit 50000 Gästen übertroffen wird. Grund dafür ist die Schweizer Preisführerschaft, was mit einer Tiefstpreisgarantie belegt wird.»Die deutsche Nummer vier, Alltours, hat 2006/07 ebenfalls den Markteintritt gewagt und im ersten Geschäftsjahr gegen 10000 Schweizer Touristen verbucht. 2007/08 rechnen die Duisburger mit 14000.

Thomas Cook erwartet Schub

Noch relativ bescheiden, dafür schon seit Jahren ist Neckermann Reisen in der Schweiz aktiv. Die Veranstaltermarke gehört zu Thomas Cook, nach TUI der zweitgrösste Reisekonzern der Welt. Ferien hat man hierzulande bislang eher beiläufig verkauft und damit einige Millionen Franken erwirtschaftet. Michael Tenzer, Bereichsleiter von Neckermann Flugreisen in Oberursel bei Frankfurt, sagt: «Dabei ging es uns darum, aus uns selbst heraus zu wachsen. Das ist uns mit einem geringen Aufwand sehr gut gelungen. Wir gehen jetzt einen Schritt weiter und bauen den Vertrieb aus. Wir versprechen uns von dieser Massnahme einen weiteren Schub.»Der Schweizer Marktführer sieht all dies gelassen: «Für die Sommermonate liegt unser Buchungsstand 20% über dem Vorjahr», sagt Stefan Leser, CEO von Kuoni Schweiz, «wir gewinnen 2008 Marktanteile. Vor allem die erfolgreiche Neupositionierung von Helvetic Tours trägt dazu bei.» Auch die Nummer fünf, Globetrotter Travel Service, ist laut CEO André Lüthi zuversichtlich: «Wegen der verstärkten Nachfrage nach Baukastenreisen werden wir den Umsatz um 4 bis 5% steigern.» Zurückhaltender ist die Knecht Reisegruppe nach ihrem Rekordjahr 2007. Gemäss CEO Roger Geiss-berger will man um 5% wachsen.Pessimistischer gibt sich Thomas Stirnimann, CEO von M-Travel Switzerland, wegen der Fusion von Hotelplan Schweiz und Travelhouse: «2008 ist zwar noch nicht gelaufen, aber wir werden eher Marktanteile verlieren, so selbstkritisch müssen wir sein.» Gestärkt durch die Reorganisation möchte er diese ab 2009 mindestens zurückgewinnen.Wie gross der Markt in der Schweiz für organisierte Ferien im Ausland – sogenanntes Leisure Travel Outgoing – ist, vermag allerdings kein Anbieter exakt zu beziffern. Teilnehmer wie M-Travel Switzerland oder Globetrotter schätzen ihn gegenüber der «Handelszeitung» auf 5 bis 6 Mrd Fr. Kuoni Schweiz geht gar von 10 Mrd Fr. aus.

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