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Deutsche Bank: 700 Millionen Euro Schadenersatz fällig

Leo Kirch während einer Gerichtsverhandlung im Jahr 2011. Am 14. Juli 2011 verstarb er. (Bild: Keystone)

Die Deutsche Bank fuhr gegen den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch eine herbe Schlappe ein. Nun droht eine dreistellige Millionenzahlung.

Veröffentlicht am 14.12.2012

Die Deutsche Bank hat im Ringen mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch eine herbe Niederlage erlitten. Ein Gericht in München verurteilte das Institut zu Schadenersatz für Verluste in Folge der Pleite des Kirch-Imperiums 2002.

Die Höhe liessen die Richter allerdings offen. Die Summe solle von zwei Gutachtern bestimmt werden, für deren Benennung beide Seiten bis Ende Januar Vorschläge unterbreiten können. Die Kirch-Seite hatte die Bank in diesem Verfahren auf mehr als 2 Milliarden Euro verklagt.

Der im Juli 2011 verstorbene Medienzar hatte der Deutschen Bank zeitlebens vorgeworfen, am Untergang seines Konzerns schuld zu sein. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte 2002 wenige Wochen vor der Pleite der Gruppe in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt.

Für Kirch war dies der Auslöser des Untergangs. Breuer, der nicht an der Sitzung teilnahm, und die Bank weisen dies zurück: Breuer habe damals nur «allgemein bekanntes» gesagt. Das Gericht folgte dieser Auffassung aber nicht.

Schadenersatz über 700 Millionen Euro - oder mehr?

«Das ist ein sehr, sehr grosser Erfolg», sagte Kirch-Anwalt Peter Gauweiler. Dazu, welchen Betrag er erwarte, wollte Gauweiler nichts sagen. «Es wäre nicht angemessen, wenn wir jetzt über Summen spekulieren würden.»

Er erwarte aber nicht, dass sich die Höhe an einem früheren Vergleichsvorschlag des Gerichts von 700 Millionen Euro orientieren werde. «Dazu haben wir heute zuviel zugesprochen bekommen», sagte Gauweiler.

Die Deutsche Bank betonte, sie sei weiter davon überzeugt, «dass die von der Klägerseite geltend gemachten Ansprüche nicht bestehen und das Interview von Herrn Dr. Breuer die angeblichen Schäden nicht verursacht hat.» Man müsse nun die schriftliche Begründung abwarten und «dann über das weitere Vorgehen entscheiden.»

Als wahrscheinlich gilt, dass die Bank vor den Bundesgerichtshof ziehen und eine Nichtzulassungsbeschwerde einlegen wird. Revision gegen das Urteil hatten die Richter des OLG am Freitag nicht zugelassen.

Deutsche-Bank-Anwalt Peter Heckel kritisierte Richter Kotschy: «Das Gericht hat sich relativ früh, zum Teil vor der Beweisaufnahme, schon festgelegt.» Wenn man das objektiv betrachte, «kann man das nur sehr schwer nachvollziehen». Das Urteil sei sicher ein Rückschlag.

Der Rechtsstreit tobt seit Jahren durch die Instanzen, ein weiteres Verfahren ist noch hängig und nicht terminiert. Die Bank machte geltend, dass der mit 6,5 Mrd. Euro verschuldete Kirch-Konzern auch ohne Breuers Interview pleitegegangen wäre.

(chb/vst/sda)

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