Kurz vor ihrer Hauptversammlung hat die Deutsche Bank eine Reihe von personellen Veränderungen im Vorstand bekannt gegeben. Ko-Vorstandschef Anshu Jain werde im Vorstand die Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung übernehmen, teilte Deutschlands grösstes Geldhaus am Mittwochabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Jain übernimmt vom bisherigen Finanzchef Stefan Krause die Verantwortung für die Umsetzung der Ende April beschlossenen «Strategie 2020». Krause ist dafür künftig unter anderem für die interne «Bad Bank» zuständig, die bislang bei Ko-Vorstandschef Jürgen Fitschen lag.

Fitschen unter Druck

Fitschen steht derzeit unter Druck, weil er sich vor dem Landgericht München wegen versuchten Prozessbetrugs verantworten muss. Er weist die Vorwürfe im Zusammenhang mit einem Prozess zur Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch im Jahr 2002 zurück.

Privatkunden-Chef Rainer Neske verlässt den Konzern zum 30. Juni und wird durch Christian Sewing ersetzt, der erst im Januar für Rechts- und Compliance-Themen neu in den Vorstand geholt worden war. In Kürze soll auch Alan Cloete den Konzern verlassen, der dem erweiterten Vorstand angehört und im Zuge des Zinsskandals ins Visier der Ermittler gerückt war.

Die Deutsche Bank gab die Änderungen am späten Mittwochabend bekannt, nachdem der Aufsichtsrat gut drei Stunden in Frankfurt beraten hatte.

Missstimmungen bei Hauptversammlung erwartet

Am Donnerstag findet eine Hauptversammlung der Deutschen Bank statt, die voraussichtlich von Missstimmungen geprägt sein wird. Unter anderem wegen des nicht zufriedenstellenden Risikomanagements beim Skandal um die Manipulation des Libor-Zinses wollen zahlreiche Wertpapierbesitzer den Vorstand nicht entlasten.

Anzeige

Am Mittwoch berichtete das «Manager Magazin» zudem über einen möglichen Fall von Geldwäsche in der Moskauer Niederlassung der Bank, was für weiteren Unmut sorgen dürfte.

Gross-Investoren unzufrieden

Der Druck auf die Bankführung ist gross. Viele einflussreiche Investoren sind mit den bisherigen Ergebnissen unzufrieden und auch noch nicht von den Weichenstellungen für die Zukunft überzeugt.

Um die Bilanz zu kürzen, will Deutschlands grösstes Geldhaus die Postbank verkaufen und das verbleibende «blaue» Filialnetz drastisch schrumpfen.

(sda/dbe)