Der neue Co-Vorstandschef der Deutsche Bank John Cryan hat Aktionären und Mitarbeitern eine klare Ansage unterbreitet: Der einstige Wert der grössten europäischen Investmentbank ist dahin und die Vergütung muss sich der neuen Realität anpassen.

Die Entscheidung, Wertanpassungen bei Geschäfts-, Firmenwert und immateriellen Vermögenswerten im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft vorzunehmen, erfolgte erstmals unter Berücksichtigung der Vorschriften der European Banking Authority (EBA) zur «Prudential Valuation», hiess es in der Mitteilung der Deutschen Bank. Höhere Eigenkapitalanforderungen haben die Ertragskraft belastet.

Streichkonzert

Cryan trifft Vorbereitungen, das Imperium an Handelsaktivitäten, das sein Vorgänger Anshu Jain aufgebaut hatte, zu redimensionieren. Mit Einsparungen und höheren Kapitalquoten will er die Deutsche Bank wegholen aus der Ecke der am geringsten bewerteten Aktie innerhalb der Gruppe der führenden Geldhäuser weltweit. Das könnte bedeuten, den Anspruch aufzugeben, eine global aufgestellte Top-Investmentbank zu bleiben. Auch ein teilweiser Rückzug aus der Expansion, die in den vergangenen 25 Jahren betrieben worden ist, erscheint möglich.

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«Vielleicht ist es der Beginn, an dem der neue Chef die Dinge auf den Prüfstand stellt und sagt: ’Stünden wir nicht besser da, wenn wir die erste Adresse in Deutschland wären, oder wollen wir unseren Anspruch aufrechterhalten, ein Global Player zu sein’ », sagte Robert Smithson, Fondsmanager bei THS Partners in London, in einem Interview mit Bloomberg TV.

Die Goodwill-Abschreibungen in der Sparte Corporate Banking & Securities (CB&S) gehen teilweise auf den Kauf von Bankers Trust Corp. 1998 zurück, so Cryan in einem Memo am 7. Oktober an die Mitarbeiter der Bank.

Die Transaktion stellte einen grossen Schritt dar, im Zuge des Wandels des Kreditinstituts zu einer weltweit agierende Investmentbank, denn damit trieb sie den Zugang zu den USA voran, dem weltweit grössten Kapitalmarkt. Paul Achleitner, heute Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, beriet die Frankfurter dabei. Achleitner war damals bei Goldman Sachs.

In einer Mitteilung an die Beschäftigten der Bank teilte Cryan mit, die Mitarbeiter hätten Belastungen mitzutragen, was sich auf die Gestaltung von Jahresendbonuszahlungen auswirken werde. Der Vorstand werde eine Reduzierung oder den Ausfall der Dividende für das Geschäftsjahr 2015 vorschlagen, hiess es darin weiter. Die Aktie der Deutschen Bank notierte am Freitagvormittag rund ein Prozent fester bei 25,28 Euro; am Donnerstag hatte der Aktienkurs rund 1,8 Prozent nachgegeben.

Cryan steht nicht allein da mit seinem Ansatz, den Wert auf getätigte Zukäufe abzuschreiben, die nicht die erwarteten Erträge liefern. UniCredit SpA, Italiens grösste Bank, hatte im vierten Quartal 2013 einen Rekordverlust von über 9 Milliarden Euro ausgewiesen, nach Abschreibungen auf diverse Geschäftseinheiten der Bank in Italien, Mittel- und Osteuropa und in Österreich.

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Fit genug?

Anleger hatten bereits zuvor die Deutsche Bank niedriger bewertet, als die in der Bilanz ausgewiesen Bewertung ihrer einzelnen Sparten zeigte. Die Aktie der Bank wird zu einem Buchwert von rund 0,6 Prozent gehandelt - das ist der niedrigste Wert im Vergleich mit ihren Wettbewerbern weltweit.

«Deutsche Bank muss erkennen, dass wir uns in einem neuen Zeitalter bewegen. Es sind nicht mehr die 1990er Jahre oder die 2000er», sagte Boris Boehm, Fondsmanager bei Aramea Asset Management AG in Hamburg. «Sie sind in einer gefährlichen Lage. Sie sind immer noch mit den ganz Grossen unterwegs. Es stellt sich allerdings die Frage, ob sie dafür fit genug sind.»

Ein Sprecher der Deutschen Bank in London wollte keine Stellungnahme ab geben und verwies darauf, dass die Bank plant, Einzelheiten zur Strategie am 29. Oktober zu veröffentlichen. Im Juli hatte die Bank mitgeteilt, sie könne die Aktiva im Investmentbanking reduzieren, ohne das Geschäft erheblich zu beeinträchtigen.

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(bloomberg/chb)