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Gescheitert
Deutsche Bank fällt durch US-Stresstest

Deutsche Bank: Nahm zum ersten Mal teil. Keystone

Im zweiten US-Stresstest sind die Deutsche Bank und die spanische Santander gescheitert. Es gebe zahlreiche und erhebliche Mängel bei internen Kontrollen. Das Scheitern dürfte Konsequenzen haben.

Veröffentlicht am 11.03.2015

Die Deutsche Bank ist in der zweiten Runde der US-Stresstests durchgefallen. Das grösste deutsche Geldinstitut, das mit einer amerikanischen Tochter erstmals teilnahm, scheiterte unter anderem wegen Mängeln bei internen Kontrollen, wie die Notenbank Federal Reserve nach Börsenschluss erklärte.

Auch die spanische Santander bestand wie bereits im Vorjahr nicht. Die Bank of America kam mit einem blauen Auge davon: Das Geldhaus wurde für schwache Risikokontrollen kritisiert. Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley mussten erst ihre Dividendenpläne zusammenstreichen, um zu bestehen.

«Zahlreiche und erhebliche Mängel»

Bei der Deutsche Bank Trust Corporation monierten die Aufseher «zahlreiche und erhebliche Mängel», etwa bei internen Kontrollen. Ausserdem kritisieren sie die Herangehensweise, wie etwa Verluste und Einnahmen in internen Planzahlen der US-Tochter veranschlagt werden. Dass das Geldhaus im zweiten Teil der Überprüfung durchfiel, war bereits erwartet worden.

Der Stresstest der Fed ist eine Konsequenz aus der Finanzkrise, in der heimische Banken wie Citigroup oder die Bank of America wankten und vom Staat gerettet wurden. Daher durchleuchtet die Notenbank nun regelmässig die Kredit- und Anleihenportfolios der Institute. Sie beschränkt sich aber nicht nur auf US-Banken, sondern nimmt von Jahr zu Jahr auch mehr ausländische Geldhäuser unter die Lupe, die im grossen Stil auf dem US-Markt unterwegs sind. So soll sichergestellt werden, dass diese Häuser im Falle einer neuen Krise nicht auch aufgefangen werden müssen.

Aktien der Deutschen Bank fallen

Der Test, an dem sich insgesamt 31 Institute beteiligten, bestand aus zwei Stufen: Zuerst wurde die Kapitaldecke getestet. Hier bestand die Deutsche Bank locker, wie die Fed in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte. Anschliessend schauten sich die Aufseher qualitative Aspekte wie das interne Risikomanagement an. Hier ist die Deutsche Bank in den USA bereits angezählt, weil die Regulierer wiederholt Schlampereien im Berichtswesen bemängelten. Das Geldhaus investiert zwar in das US-Reporting und stellt hierzu auch Personal ein. Doch es dauert, bis sich nachhaltige Erfolge einstellen.

Die in den USA gelisteten Aktien der Deutschen Bank fielen im nachbörslichen Handel 1,1 Prozent. Die Deutsche Bank teilte mit, die Fed habe ihre Kapitalpläne aus qualitativen Gründen abgelehnt. Das Institut wolle seinen Kapitalplanungsprozess verbessern.

Harte Konsequenzen erwartet

Quantitativ hatte die auf Herz und Nieren geprüfte US-Tochter der Deutschen Bank im ersten Test keine Probleme: Bei der Kernkapitalquote schnitt sie von allen Instituten sogar am besten ab. Sie kam im Krisenszenario auf eine Quote von fast 35 Prozent - die Mindestvorgabe lag bei fünf Prozent. Die US-Tochter, die weniger als fünf Prozent der gesamten Bilanzsumme der Deutschen Bank ausmacht, deckt aber nur die Vermögensverwaltung und die Zahlungsabwicklung ab, nicht das kapitalintensive Investmentbanking. Sämtliche US-Töchter der Deutschen Bank dürften von der Fed wohl erst 2018 getestet werden.

Das Scheitern dürfte für die Deutsche Bank zwar keine harten Konsequenzen bedeuten. Ihre Geschäfte kann sie in den USA weiter betreiben, obwohl sie dort auch wegen Tricksereien bei Zinssätzen (Libor) und Devisenkursen ins Visier der Regulierer geraten ist und Strafen befürchtet. Aber sie muss wohl die Mängel abstellen.

Mehr Geld für eigene Zwecke

Im vergangenen Jahr hatte die Fed die Auszahlungspläne der Citigroup kassiert. Auch die US-Sparten der europäischen Institute HSBC, Royal Bank of Scotland und Santander sowie die amerikanische Zions Bancorp mussten damals ihre Dividenden- oder Aktienrückkauf-Vorhaben nachbessern. Das bedeutet für die Geldhäuser, dass sie sich im Buhlen um die Gunst der Anleger stärker zurückhalten und mehr Geld für eigene Zwecke einbehalten müssen.

(reuters/tno/dbe)

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