Sieben Jahre nach dem Einstieg will sich die Deutsche Bank von der Postbank trennen. Der Schritt ist Teil einer Schrumpfkur, die Deutschlands grösstes Geldhaus am späten Freitagabend nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats ankündigte. Nach Konzernangaben fiel die Entscheidung im Kontrollgremium einstimmig. Die Postbank soll voraussichtlich im kommenden Jahr einem Insider zufolge wieder eigenständig an die Börse kommen.

Die Deutsche Bank will ihren Anteil demnach schrittweise auf null verringern. Auch die Investmentbank soll abspecken, etwa um das Geschäft mit Hedgefonds. Ausserdem ist offenbar der Rückzug aus einigen Ländern geplant. Unklar ist, wie viele Stellen im Zuge des Umbaus wegfallen. Details ihrer neuen Strategie will das Institut am Montag präsentieren. Die Quartalszahlen werden bereits am Sonntag erwartet.

Deutsche Bank ächzt unter Regulierungskosten

Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden. Die Deutsche Bank ächzt unter Regulierungskosten, die Rendite ist vergleichsweise mager. Wesentliche Ziele der «Agenda 2015+», die die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor knapp drei Jahren ausriefen, wurden verfehlt. Während andere Banken seit der Finanzkrise konsequent den Rotstift angesetzt haben, weil Grösse teuer geworden ist, zögerte der deutsche Branchenprimus lange.

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Grosse Investoren, die mehrfach frisches Geld in die Bank pumpten, wurden unruhig. Bis zuletzt wurde deshalb Finanzkreisen zufolge auch über den grossen Wurf diskutiert: eine Abspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts. Nun sollen die «blauen Filialen» im Konzern bleiben. Eine Zerlegung der Deutschen Bank in zwei Teile - Privatkundenbank und Investmentbanking - ist vom Tisch.

Bekenntnis zur Universalbank

«Ich finde es gut, dass sich die Deutsche Bank für die moderate Lösung entschieden hat», sagte Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. «Durch das Beibehalten des Privatkundengeschäfts bleibt das Institut eine Universalbank. Die Risiken sind so besser gestreut und die Finanzierung steht auf einer stabileren Basis.» Jefferies-Analyst Omar Fall äusserte sich skeptischer.

Eine Restrukturierung sei gut, so lange es nicht bei einem Postbank-Verkauf und einem Schrumpfen der Investmentbank bleibe. «Wir erwarten auch, dass das Privatkundengeschäft im europäischen Ausland eingedampft wird, am besten komplett, und dass das Filialnetz in Deutschland verkleinert wird.»

Viele Filialen stehen zur Disposition

Letzteres dürfte passieren. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte vor einer Woche von Insidern erfahren, dass das Filialgeschäft vor besonders harten Einschnitten steht. Bis zu einem Drittel der rund 700 Filialen stehen demnach zur Disposition. Die Postbank dagegen kann mit der Abspaltung hoffen, dass ihre Zentrale in Bonn und die «gelben Filialen» weitgehend erhalten bleiben.

Das ist ein Erfolg für die bei der Postbank besonders stark organisierte Gewerkschaft Verdi. Sie sprach von neuen Wachstumsperspektiven. Verdi ist im Aufsichtsrat der Deutschen Bank prominent vertreten und will einen Kündigungsschutz durchboxen, für den Postbanker seit Wochen auf die Strasse gehen.

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Trennung mit Schmerzen

Die Bundesregierung, die zu Wochenbeginn von Jain und Fitschen persönlich ins Bild gesetzt wurde, wollte sich zur Entscheidung nicht äussern. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, man habe darauf keinen Einfluss genommen. Verdi erklärte, die «gesellschaftliche Akzeptanz» sei für andere Modelle in geringerem Masse vorhanden gewesen.

Die «kleine» Lösung ist für die Deutsche Bank nicht unbedingt die leichtere. 2008 war der Branchenprimus bei den Bonnern eingestiegen, seit 2010 gehört die Postbank mit einem Anteil von 94 Prozent zu dem Konzern, der damit in der Finanzkrise sein Geschäftsmodell ausbalancierte. Zwar dürfte eine Entflechtung der beiden Häuser relativ einfach sein, weil die Integration in den vergangenen Jahren auch wegen der unterschiedlichen Kulturen hinter den Erwartungen blieb, wie Insider berichteten.

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Bei Börsengang drohen Milliarden-Abschreibungen

Aber bei einem Börsengang der Tochter drohen Analysten zufolge Milliarden-Abschreibungen. Die Postbank wird am Markt zwar mit gut sieben Milliarden Euro bewertet, weil Spekulanten auf eine hohe Abfindung durch den bisherigen Mehrheitsaktionär gewettet hatten. In den Büchern der Deutschen Bank steht sie aber mit sechs Milliarden. Branchenkenner veranschlagen den «fairen Wert» eher auf die Hälfte.

(reuters/moh)