Die Deutsche Bank kommt auch im neuen Jahr nicht in Schwung. Vor allem die anhaltende Flaute im Kerngeschäft Investmentbanking bremste Deutschlands grösstes Geldhaus im ersten Quartal. Der Vorsteuergewinn brach um 30 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ein, unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,1 (Vorjahr: 1,7) Milliarden.

Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen zeigten sich dennoch zufrieden und sprachen von einem robusten Ergebnis in einem schwierigen Marktumfeld. Die Bank habe damit ihre Eigenkapitalbasis um mehr als eine Milliarde Euro stärken können. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, die zuletzt auf der Bilanz lasteten, schraubte die Bank dieses Mal nicht spürbar nach oben.

Zusätzliche Kapitalpuffer

Analysten hatten noch schwächere Zahlen erwartet. Am Markt überwog am Dienstag deshalb die Zuversicht: Vorbörslich notierte die Deutsche-Bank-Aktie etwas fester. Das dürfte auch der Tatsache geschuldet sein, dass sich das Geldhaus für Krisenzeiten einen zusätzlichen Kapitalpuffer beschaffen will, wie bereits am Vorabend angekündigt wurde. So soll Anfang Mai eine erste Tranche an Options-Genussscheinen über mindestens 1,5 Milliarden Euro ausgegeben werden.

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Die Deutsche Bank hatte seit Monaten in den Startlöchern gestanden, um solche Zwitterformen von Eigen- und Fremdkapital zu platzieren. Damit kann die absolute Verschuldungsquote (Leverage Ratio) verbessert werden. Aber auch die Spekulationen über eine weitere Kapitalerhöhung reissen nicht ab. Per Ende März lag die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank nach dem strengeren Basel-III-Standard bei 9,5 (Ende 2013: 9,7) Prozent - bis 2015 wollen Jain und Fitschen auf zehn Prozent kommen.

Oberster Devisenhändler geht

Dass der Deutschen Bank im Investmentbanking ein rauer Wind entgegenweht, hatte sich bereits mit den Zahlen etwa der grossen US-Rivalen JP Morgan und Citigroup abgezeichnet. Vor allem der Anleihehandel – die wichtigste Domäne der Frankfurter – läuft seit Monaten nicht rund. Die Anleger halten sich im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren zurück, weil sie auf eine Richtungsentscheidung der US-Notenbank Fed warten. Aber auch das Devisengeschäft der Deutschen Bank schwächelte. Insgesamt schrumpfte das Ergebnis im angestammten Kapitalmarktgeschäft um gut ein Fünftel auf 1,5 Milliarden Euro. Experten erwarten, dass die Deutsche Bank deshalb wie die meisten Konkurrenten noch stärker auf die Kostenbremse tritt.

In diesem Bereich gab es zu den Zahlen auch eine wichtige Personalie: Der oberste Devisenhändler der Deutschen Bank verlässt mitten in den laufenden Untersuchungen um Währungsmanipulationen das Institut. «Kevin Rodgers hat persönlich entschieden, sich aus der Bankenbranche zurückzuziehen», sagte eine Deutsche-Bank-Sprecherin und bestätigte damit einen Vorabbericht des «Handelsblatts».

Die Deutsche Bank ist einer der weltgrössten Devisenhändler. Das Geldhaus hat im Skandal um manipulierte Wechselkurse nach Angaben aus Finanzkreisen bereits mehrere Händler entlassen, darunter auch eine führende Devisenhändlerin in London.

Interne Untersuchung anberaumt

Zur Aufklärung der Vorwürfe hat das Geldhaus eine eigene interne Untersuchung gestartet. Rodgers war 1999 mit der Übernahme der US-Investmentbank Bankers Trust zur Deutschen Bank gekommen. Ihr Devisengeschäft leitet er seit 2012.

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Das Privatkundengeschäft dagegen lieferte mit 520 (Vorjahr: 483) Millionen Euro einen höheren Vorsteuergewinn ab, was aber auch Sondereffekten geschuldet war. Die Vermögensverwaltung, die derzeit radikal umgebaut wird, schwächelt dagegen weiter. Hier schrumpfte das Ergebnis um 23 Prozent auf 169 Millionen Euro. Die Mittelabflüsse der Kunden konnten aber gestoppt werden.

 

(reuters/sda/chb/me)