Die angeschlagene Deutsche Bank denkt seit Monaten laut über Fusionspläne nach. Dabei kommen immer wieder Gerüchte über einen Zusammenschluss mit der Commerzbank auf.

Beim alljährlichen Strategietag Mitte September spielte der Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank aber verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Partnern durch. Nur zwei davon wurden einem «Deep Dive», also einer genaueren Prüfung mit allen Kennzahlen, unterzogen. Die eine Option sei die Fusion mit der Commerzbank gewesen. Die andere Möglichkeit tat sich jenseits der Landesgrenzen auf. Beim südlichen Nachbarn, der Schweiz. Mit der UBS. Eine Fusion der grössten Bank in Deutschland mit der grössten Bank der Schweiz?

UBS und Deutsche Bank ergänzen sich gut

Die Schweizer Variante habe bei der Überprüfung zumindest aus dem Blickwinkel der Aktionäre auf dem Papier besser abgeschnitten, schreibt das «Handelsblatt» nach Informationen von mehreren Insidern. Der Grund liege in der unterschiedlichen Positionierung im Investmentbanking. Es würde dabei weniger Überschneidungen als bei der Commerzbank geben, geht aus dem Bericht hervor.

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Die UBS hat im ersten Halbjahr 2018 über 8,3 Milliarden Franken Erträge aus dem Kerngeschäft der Vermögensverwaltung gemacht. Damit liege das materielle Eigenkapital bei der UBS bei 12,6 Prozent. Bei der Deutschen Bank sind es im ersten Halbjahr gerade mal 3,4 Prozent. 

Marktwert der UBS mehr als doppelt so hoch

Die Stärkere in diesem möglichen Bündnis wäre eindeutig die UBS: Mit einem Marktwert von umgerechnet rund 54 Milliarden Euro ist sie doppelt so viel wert wie die Deutsche Bank mit rund 22 Milliarden Euro. «Bei diesem Zusammenschluss wäre die Deutsche Bank also eindeutig der Juniorpartner», schreibt das Handelsblatt. Diese Rolle müsse die deutsche Politik dann erstmals akzeptieren.

Politisch schwierig durchzusetzen

Apropos Politik: Laut dem Handelsblatt würden sich wohl die Deutsche und Schweizer Regierung gegen solche Fusionspläne sträuben: Die Deutsche Regierung sei wohl eher an einer Lösung mit der Commerzbank interessiert, die »Alpennation wolle vermeiden, dass die eigenen Bankriesen noch grösser werden», so das «Handelsblatt». Zudem sei es für die UBS wohl schwierig, den Aktionären eine Fusion mit der deutschen Krisenbank zu erklären. 

Die deutsch-schweizerischen Bankenehe sieht zwar auf dem Papier sinnvoll aus, ist in der Realität zumindest aktuell unwahrscheinlich, urteilt das «Handelsblatt». So würde auch ein Aktientausch der beiden Geldinstitute zu einer massiven Verwässerung der Deutsche-Bank-Aktie führen. 

Eine Stellungnahme der Deutschen Bank und der UBS lag zunächst nicht vor.

(tdr)