Nach sieben Jahren als Namensgeber und Hauptsponsor des Ladies' Swiss Open hat die Deutsche Bank genug vom Frauen-Golfturnier im Tessin. Das Recht, das drittgrösste Frauen-Golfturnier Europas in der Schweiz durchzuführen, wird am 17. Juni 2012 nach Abschluss der diesjährigen Veranstaltung an die Ladies European Tour (LET) zurück gegeben.

Mit der aktuellen, zwischen Deutschland und der Schweiz schwierigen Situation auf dem hiesigen Bankenplatz habe der Ausstieg nichts zu tun, korrigiert Hanns Michael Hölz, der Turnierdirektor und Vertreter der Deutschen Bank (DB), Vermutungen, der Hauptsponsor würde aus wirtschaftlichen Überlegungen sein Engagement im Tessin beenden. Der Entscheid sei losgelöst von den Entwicklungen auf dem Markt gefallen, so Hölz.

Auch das Ausscheiden von Joe Ackermann aus der DB-Konzernleitung, eines bekennenden Fan des Frauengolfs generell und des LET-Turniers auf dem Golfplatz Gerre-Losone im besonderen, habe den Verzicht auf das Sponsoring-Engagement in der Schweiz nicht beeinflusst, ergänzt Hölz. Vielmehr sei man bei einer Analyse der bisherigen sieben Austragungen der Veranstaltung im Sopraceneri zum Schluss gekommen, dass die ursprünglich gesetzten Marketingziele erreicht worden seien. Dies habe vor ein paar Monaten zum Entscheid geführt, dass der Vertrag mit der LET nicht mehr weitergeführt werde.

Suche nach Nachfolger bisher ohne Resultat

Für den Schweizer Golfsport ist der Ausstieg der DB ein schwerer Schlag, zumal es in den letzten Wochen nicht gelang, einen valablen Nachfolger für die Übernahme des Turniers zu finden. Gespräche mit möglichen Kandidaten seien zwar unter Federführung der DB aufgenommen worden, doch seien diese bisher im Sand verlaufen.

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Wie gross das finanzielle Engagement der Deutschen für den Frauengolfsport im Tessin war, wird nicht bekannt gegeben. Geht man aber davon aus, dass gemäss einer Faustregel in etwa das Dreifache des Preisgeldes für ein Turnier dieser Grösse und Bedeutung eingesetzt werden muss, so dürften sich die DB-Investitionen jedes Jahr gegen 2 Millionen Franken belaufen haben. Das Preisgeld am Ladies' Swiss Open liegt bei 525000 Euro.

Dem Turnier droht, wird nicht in den nächsten Wochen ein potenter Nachfolger gefunden, das endgültige Aus. Auch wenn sich ein neuer Sponsor engagiert – beispielsweise die CS, die den Schweizerischen Golfverband (ASG) und dort insbesondere das international sportlich wenig erfolgreiche Herrenteam unterstützt – wird die drittwichtigste europäische Veranstaltung kaum mehr in der Südschweiz ausgetragen. Das Einzugsgebiet ist zu klein, der Publikumsaufmarsch hielt sich dementsprechend bei den bisherigen sieben Austragungen in sehr engen Grenzen. Idealer wäre in diesem Zusammenhang ein Spielort in den Grossregionen Zürich oder Bern, beispielsweise mit Interlaken als Austragungsort.

Nochmals grosse Namen am Start

Vom 11. bis zum 17. Juni 2012 kommt es deshalb in Gerre-Losone TI zur mutmasslich letzten Austragung des Ladies' Swiss Open. Nochmals allerdings mit einer Glanzbesetzung. Drei Live Members der Ladies Europesn Tour (die beiden Engländerinnen Laura Davies und Trish Johnsson sowie die Schwedin Helen Alfredsson) sowie 17 der aktuell besten 20 Europäerinnen haben ihre Teilnahme zugesagt. Insgesamt sind 126 Spielerinnen auf der Startliste eingetragen. Darunter figuriert auch die 21-jährige Tessinerin Anaïs Maggetti, die sich im Januar dieses Jahres in Spanien die volle Spielberechtigung für die LET 2012 erspielt hat.