Im weltweiten Devisenskandal stellt sich die Deutsche Bank Finanzkreisen zufolge auf Strafzahlungen wegen Tricksereien bei Rubel und Peso ein. Zudem befürchte das Institut teure Zivilklagen. Die interne Untersuchung der Bank habe vereinzelte Unregelmässigkeiten bei diesen beiden Währungen aufgezeigt, sagte eine mit den Überlegungen des Vorstands vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Ein anderer Insider sagte, konzernweit sei bislang etwa ein halbes Dutzend Devisenhändler suspendiert worden. Entwarnung gebe es vorerst für die grossen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen. Das sei aber nur ein Zwischenstand.

Deutschlands grösstes Geldhaus, einer der grössten Devisenhändler der Welt, bekräftigte, zur Aufklärung des Skandals mit mehreren Behörden zusammenzuarbeiten. Eine Sprecherin betonte ausserdem: «Unsere interne Untersuchung zu den Devisenmärkten läuft noch. Wie wir immer gesagt haben, schauen wir uns dabei auch den Handel in Schwellenländer-Währungen an.»

Etliche Banken in Skandal verwickelt

Der Verdacht, beim argentinischen Peso habe es Manipulationen gegeben, wurde bereits zu Jahresbeginn laut, als es in einem Medienbericht hiess, ein Peso-Händler der Deutschen Bank sei vorsorglich beurlaubt worden. Das Institut hatte damals lediglich erklärt, in begründeten Fällen disziplinarische Massnahmen gegen einzelne Mitarbeiter einzuleiten. Von Tricksereien beim russischen Rubel war bislang nichts bekannt.

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Beide Währungen zählen zwar nicht zu den Leitwährungen. Sollte sich der Manipulationsverdacht bei den Referenzkursen indes erhärten, drohen von Seiten der Behörden trotzdem empfindliche Strafen. Etliche Grossbanken rund um den Globus sind in den Devisenskandal verwickelt. Sie nehmen bei ihren internen Untersuchungen insbesondere die Schwellenländer-Währungen unter die Lupe.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte erst in der vergangenen Woche gesagt, bei mehreren mittelgrossen Währungen habe es nachweislich Versuche gegeben, Preise zu manipulieren. Die bislang vorliegenden Ergebnisse seien nicht beruhigend, auch wenn es sich anscheinend jeweils um Einzelfälle handele. Zum Fall Deutsche Bank lehnte die BaFin nun eine Stellungnahme ab.

Sorgen vor Zivilklagen

Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen der Bank für Rechtsstreitigkeiten derzeit auf rund zwei Milliarden Euro. Wieviel davon auf den Devisenskandal entfällt, dazu hält sich die Deutsche Bank bedeckt. Weitaus mehr Sorgen macht sich das Geldhaus aber offenbar darüber, dass Strafzahlungen potentiell auch eine Flut an Zivilklagen nach sich ziehen könnten, wie einer der Insider sagte. Denn hier seien die finanziellen Folgen kaum abschätzbar. Anders als im Skandal um manipulierte Zinssätze wie den Libor könne man bei Devisen genau aufzeigen, ob Kunden durch Tricksereien bei Referenzkursen an einem bestimmten Tag ein Schaden entstanden sei. Im Vorstand der Bank heisse es deshalb: «Devisen sind ein ganz anderes Risiko als Libor.» Auch vor diesem Hintergrund habe sich die Bank kürzlich zu der überraschend grossen Kapitalerhöhung im Volumen von acht Milliarden Euro entschieden.

Der Devisenmarkt ist riesig. Pro Tag werden weltweit Währungen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar umgesetzt. Die weltumspannenden Untersuchungen der Aufsichtsbehörden laufen seit gut einem Jahr. Dabei werden vor allem E-Mails und Chatbeiträge von Händlern auf verdächtige Absprachen hin durchleuchtet.

(reuters/dbe)