Ein rasches Ende des Dauerstreits der Deutschen Bank mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch ist nicht absehbar. «Es gibt derzeit keine Vergleichsverhandlungen», sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen auf der ausserordentlichen Hauptversammlung in Frankfurt. Es sei auch kein Ende der Gerichtsverfahren in Sicht.

Die Kirch-Familie wirft dem Institut vor, für die Pleite des Medienimperiums vor gut zehn Jahren verantwortlich zu sein, da der damalige Vorstandschef Rolf Breuer in einem Interview Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Unternehmers signalisiert hatte.

Die Familie fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Mehrere Vergleichsverhandlungen sind gescheitert. 

Geiselhaft für Aktionäre

Aktionäre der Deutschen Bank haben den jahrelangen Streit des Instituts mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch satt. «Es reicht langsam», sagte der Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Klaus Nieding. «Wir Aktionäre sind es leid, in Geiselhaft genommen zu werden.» Er forderte die Kirch-Erben und die Bank auf, den Streit rasch im Gerichtssaal zu klären.

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Ein Kleinaktionär ergänzte: «Mir platzt der Kragen.» Für Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment steht fest: «Es darf einfach nicht sein, dass Partikularinteressen von Minderheitsaktionären eine ganze Organisation so lahmlegen können zum Schaden aller übrigen Aktionäre.»

Ausserordentliche Versammlung nötig geworden

Der Dauerstreit mit der Kirch-Familie ist der Grund für die Einberufung des Aktionärstreffens. Die Erben hatten - erstinstanzlich erfolgreich - Beschlüsse der Hauptversammlung 2012 angefochten, darunter die Wahl von KPMG zum Wirtschaftsprüfer. Ohne diesen gibt es keinen Geschäftsbericht, den die Bank bis Ende April veröffentlichen muss. Das Landgericht Frankfurt hatte Verstösse gegen das Rederecht von Aktionären erkannt und die Entscheidungen für nichtig erklärt.

Die Bank hat die Gerichtsentscheidung zwar angefochten. Um Rechtssicherheit zu schaffen und rechtzeitig einen Geschäftsbericht für 2012 vorlegen zu können, muss sie die Beschlüsse nun aber bestätigen lassen. Am 23. Mai ist dann die reguläre Hauptversammlung.

Kosten in Millionenhöhe

Die Kosten für das Treffen summieren sich Experten zufolge auf fünf bis acht Millionen Euro. Nieding nannte die Hauptversammlung eine «Privat-Party» der Kirch-Gruppe. Er forderte die Erben daher auf, sich an den Kosten zu beteiligen. «Feiern auf Kosten anderer ist im wahrsten Sinne des Wortes asozial.» Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann sprach von einer unsinnigen Veranstaltung: «Das ist eine Farce mit Nutzen - denn es gibt immerhin Wasser.»

Die Kirch-Seite liess sich von der Kritik indes nicht beeindrucken. Gleich zu Beginn der Veranstaltung löcherte Kirch-Anwalt Franz Enderle Aufsichtsratschef Paul Achleitner mit Dutzenden Fragen - wie jedes Jahr auf den Aktionärstreffen. Die Kirch-Familie überzieht die Bank seit Jahren mit Klagen und ficht regelmäßig Hauptversammlungsbeschlüsse an.

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(vst/tke/reuters)