Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hat vor den Folgen einer Aufspaltung von Grossbanken und den damit verbundenen Nachteilen für den europäischen Bankensektor gewarnt. «Das ist eine politische Diskussion, die es nur in Europa gibt», sagte Jain bei einem Führungskräftetreffen der «Süddeutschen Zeitung» in Berlin.

Eine Aufspaltung in einen Investment- und Privatkundenbereich werde Ungleichheiten schaffen. Jain bekannte sich stattdessen zur Umsetzung der neuen Eigenkapital- und Aufsichtsvorschriften Basel III. «Wir haben gute Bankenregelungen. Die grössten Veränderungen bringt Basel III, und darauf sollten wir uns konzentrieren», sagte Jain.

Jain und sein Co-Vorsitzender Jürgen Fitschen argumentierten, dass eine Aufspaltung von Universalbanken wie der Deutschen Bank grosse Probleme für die Kunden nach sich ziehe. In Europa würden anders als in den USA 70 Prozent der Kreditvergaben über Banken abgewickelt, sagte Jain. «Wenn man jetzt eine Mauer baut, die Ineffizienzen schafft, wäre es problematisch für die Kunden.»

Gleichzeitig kündigte Jain einen Umbau im Investmentgeschäft der Deutschen Bank an, ohne konkrete Angaben zu machen. «Wir haben das für 2013 angekündigt. Das wird zu gewaltigen Veränderungen führen», sagte er und fügte hinzu: «Es geht nicht um kosmetische Massnahmen.»

Mangelndes Vertrauen eines der Hauptprobleme

Fitschen verwies auf eine notwendige starke Internationalisierung der Banken. Aufgabe der Deutschen Bank sei es, den Kunden Investitionskapital zu bieten, damit diese global agieren könnten. In der aktuellen Finanzkrise sei mangelndes Vertrauen in den Markt eines der Hauptprobleme, betonte Fitschen.

Zudem wäre Europa gut beraten, mit einer einheitlichen Stimme zu sprechen und eine starke Meinung zu haben. «Das sehe ich noch nicht», unterstrich Fitschen und verlangte von der Politik gemeinsame europäische Entscheidungen.

Auf die Frage, ob die Deutsche Bank sich auf einen möglichen Zusammenbruch des Euro einstelle, antworte Jain diplomatisch. «Wir haben keine Pläne A, B oder C», sagte er. «Aber wir haben Szenarien für alle Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung», fügte er hinzu und nannte als Beispiele ein niedrigeres Wirtschaftswachstum in China oder ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit in den USA. «Es gibt noch sehr viele schmerzhafte Anpassungsprozesse, die durchlaufen werden müssen», sagte Jain.

Peer Steinbrück für Aufspaltung

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück widersprach in seiner Rede bei der Veranstaltung, er wolle das Universalbankensystem nicht sprengen. Aber er wolle Infektionskanäle zwischen Eigenkapital- und Investmentgeschäft verhindern. «Risiko und Haftung werden bei demjenigen zusammengeführt, der auch die grössten Risiken hat», sagte Steinbrück.

Der ehemalige Finanzminister hatte in einem Positionspapier zur Regulierung der Finanzmärkte eine Aufspaltung von Grossbanken in ein Investment- und Privatkundengeschäft vorgeschlagen. In Deutschland wäre davon vor allem die Deutsche Bank betroffen.

Gleichzeitig bekannte sich Steinbrück zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer. «Nicht, weil ich glaube, dass 0,5 Prozent einen grossen Effekt auf die Risikoignoranz hätte», sagte der SPD-Politiker. Steinbrück betonte, ihm gehe es darum, für die Staatshaushalte ein Aufkommen zu erzielen. Es sei sehr legitim zu fordern, dass der Bankensektor sich an den Folgekosten der Bankenrettung beteilige.

In der Tat hätten auch «Missmanagement und Risikoignoranz der Banken» zu der Finanzkrise geführt. «Deshalb halte ich eine Beteiligung für richtig», unterstrich Steinbrück. Mit dem Aufkommen aus der Finanztransaktionssteuer könnten auch Disparitäten in der EU geglättet werden, «um Ländern wieder Anschluss zu geben, die erkennbar abgehängt sind».

(aho/awp)