Nach der Entscheidung für den Verkauf der Postbank-Mehrheit erklärt der Deutsche-Bank-Vorstand am Montag die Beweggründe. Die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie Strategievorstand Stefan Krause wollen in Frankfurt die Details des Kurswechsels nennen.

Nach monatelangen Debatten hatten sich Aufsichtsrat und Vorstand am späten Freitagabend auf eine neue Strategie für Deutschlands grösstes Geldhaus festgelegt: Der 94-Prozent-Anteil an der Postbank soll mindestens auf unter 50 Prozent verringert werden. Auch die Möglichkeit eines Komplettverkaufs der Bonner Tochter hält sich der Dax-Konzern offen.

Rückzug von der Börse noch 2015

Details nannten die Verantwortlichen für den weiteren Verlauf an der Börse: Das grösste deutsche Geldhaus will den möglichen Abgang noch 2015 ohne die verbliebenen Kleinaktionäre über die Bühne bringen. Die Kleinaktionäre sollen bis Jahresende über eine Zwangsabfindung aus der Postbank-Aktie gedrängt werden, wie die Bank am Montag mitteilte. Die Deutsche Bank hat das Recht dazu, nachdem sie ihre Beteiligung an der Postbank auf 96,8 von 94,1 Prozent aufgestockt hat. Formal muss eine für August geplante Hauptversammlung über den «Squeeze-Out» beschliessen.

Die Rückkehr der Postbank an die Börse ist dann bis Ende 2016 geplant. In einem ersten Schritt will sich die Deutsche Bank dabei auf eine Position als Minderheitsaktionär zurückziehen, mittelfristig aber ganz aussteigen. Auch der Verkauf der Postbank an einen Konkurrenten wäre ohne eine Börsennotiz leichter machbar. Der Kurs der Postbank-Aktie war durch Spekulationen auf eine hohe Abfindung aufgebläht worden.

Deutsche Bank spart Milliarden ein

Im Zuge ihres harten Kurswechsel will die Deutsche Bank erneut Milliarden einsparen. Die operativen Kosten sollen bis 2020 um zusätzlich 3,5 Milliarden Euro sinken, gab der Konzern bekannt. Davon sollen 60 Prozent durch Effizienzsteigerungen etwa über eine stärkere Digitalisierung der Geschäfte gelingen. Weitere 40 Prozent will die Bank durch die Schliessung Filialen und den Rückzug aus unprofitablen Bereichen erzielen.

Rund 200 der ingesamt 700 Zweigstellen sollen geschlossen werden. Weitere Einschnitte fallen im Investmentbanking an. Die Bilanz der Sparte soll um etwa 200 Milliarden Euro reduziert werden. Seit dem Amtsantritt von Anshu Jain und Jürgen Fitschen als Doppelspitze der Deutschen Bank 2012 hat das Institut bereits die jährlichen Kosten um 3,3 Milliarden Euro gesenkt, in diesem Jahr sollen weitere 1,2 Milliarden Euro dazukommen.

Auslandsaktivitäten stärker konzentrieren

Der Konzern kündigte zudem an, Auslandsaktivitäten stärker zu konzentrieren. Die Deutsche Bank reagiert mit ihrer neuen Strategie auf die immer strengeren Anforderungen der Aufseher zum Beispiel in Sachen Kapitalausstattung. Zudem drücken die extrem niedrigen Zinsen auf die Erträge. Das Management hofft, dass eine geschrumpfte Universalbank wieder dauerhaft profitabler sein kann. Das Renditeziel für den Konzern senkten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen auf mehr als zehn Prozent nach Steuern, bislang wurden zwölf Prozent angepeilt  – aber nie erreicht.

«Der Aufsichtsrat hat heute einstimmig beschlossen, den vom Vorstand unterbreiteten Vorschlag zu unterstützen», erklärte die Bank in einer knappen Mitteilung am Freitagabend. Möglich ist nach Angaben eines Sprechers ein Komplettverkauf der Postbank oder der Verkauf von Aktienpaketen über die Börse.

Altlasten verderben Bilanz

Vor ihrem radikalen Kurswechsel haben unterdessen Altlasten der Deutschen Bank erneut die Bilanz verdorben. Im ersten Quartal halbierte sich der auf die Aktionäre entfallende Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 544 Millionen Euro, wie das Institut am Sonntag mitteilte. Die Bank hatte in der vergangenen Woche bereits angekündigt, weitere 1,5 Milliarden Euro für juristische Niederlagen zurückzulegen.

Vor einer zwischenzeitlich diskutierten kompletten Abspaltung des Privatkundengeschäfts schreckte das Management zurück. Stattdessen kündigte das Institut nun an, in das Privatkundengeschäft unter der Marke Deutsche Bank zu investieren.

Strategie-Zickzack mit hohen Kosten

Aktionärsschützer werfen dem Vorstand der Deutschen Bank einen Strategie-Zickzack mit ständig neuen Umbaukosten vor. «Der Berg kreisste und gebar eine Maus. Das ist nicht der grosse Wurf, den der internationale Kapitalmarkt wohl erwartet hat», sagte der Vize- Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, der Deutschen Presse-Agentur. Mit der Entscheidung von Freitag, die Tochter Postbank mehrheitlich oder ganz zu verkaufen, handle der Vorstand wider eine der Lehren aus der Finanzmarktkrise.

«Mit dieser Entscheidung hält der Vorstand der Deutschen Bank am Modell einer Universalbank mit einem starken Heimatmarkt in Deutschland fest», lobte dagegen die Gewerkschaft Verdi, die vor allem bei der Postbank stark organisiert ist und deren Chef Frank Bsirske im Deutsche-Bank-Kontrollgremium mitentscheidet. «Der Postbank wird mit dem Börsengang zugleich eine neue Wachstumsperspektive erschlossen.»

Erst 2008 eingestiegen

Bei der Postbank war die Deutsche Bank mitten in der Finanzkrise im September 2008 mit knapp 30 Prozent als grösster Einzelaktionär eingestiegen. Gut zwei Jahre später sicherte sich Deutschlands grösstes Geldhaus die Mehrheit an dem Bonner Institut.

(awp/gku/dbe)

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