Die Deutsche Bank hat Vorwürfe zurückgewiesen, in der Finanzkrise hohe Verluste verschleiert zu haben. Die «Financial Times» berichtete, dass drei ehemalige Angestellte die Bank beschuldigten, Risiken von 130 Milliarden Dollar schweren Positionen bei speziellen Kreditderivaten nicht korrekt bewertet zu haben. Andernfalls wären Buchverluste von bis zu 12 Milliarden US-Dollar entstanden. Das hätte das Eigenkapital möglicherweise so stark angegriffen, dass das Institut Staatshilfe hätte aufnehmen müssen. Der frühere Institutschef Josef Ackermann hatte sich stets dafür gefeiert, ohne direkte staatliche Hilfe durch die Krise gekommen zu sein.

Die Anschuldigungen seien sorgfältig geprüft worden und hätten sich als vollkommen unbegründet erwiesen, erklärte das Institut in einer Stellungnahme. Ein Sprecher betonte, dass die Vorwürfe schon mehr als zweieinhalb Jahre alt seien. Öffentlich sei darüber im Juni 2011 berichtet worden. Es habe eine umfangreiche Untersuchung gegeben. Die Bank betonte, mit der US-Börsenaufsicht SEC kooperiert zu haben. «Die Bewertungen und die Finanzberichterstattung waren korrekt», sagte der Sprecher. An der Börse weckte der Bericht nur kurz Misstrauen. Das Papier drehte nach Verlusten zum Handelsstart kurz vor 10 Uhr ins Plus.

Umstrittene Berechnungsmodelle

Hintergrund der Vorwürfe ist die Frage, wie Banken ihre Risiken ausweisen und welche Berechnungsmodelle sie dafür anwenden. Dafür sollen künftig die Vorschriften verschärft werden, um dies transparenter und besser vergleichbar zu machen. Innerhalb der Deutschen Bank gab es der Zeitung zufolge darüber Diskussionen. Die drei Mitarbeiter, die inzwischen allesamt das Haus verlassen mussten, sollen die offiziellen Berechnung als zu optimistisch kritisiert haben, aber dafür kein Gehör gefunden haben. Die Bank erklärte, dass die Mitarbeiter wichtige Fakten nicht kannten und auch nicht dafür verantwortlich waren.

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Dem Vernehmen nach hat das Institut inzwischen gut 80 Prozent der entsprechenden Derivate verkauft, ohne dabei Verluste verbuchen zu müssen. «Ein signifikanter Teil dieser Positionen wurde im Rahmen eines planmässigen Verkaufs abgewickelt», sagte der Sprecher. Das wertet die Bank als durchschlagenden Beleg dafür, dass alles korrekt gelaufen ist.

Enge Verbindung zwischen Bank und Behörde

Unbehagen löst derweil mancherorts die enge Verbindung der Deutschen Bank zur SEC aus. Der jetzige Chefermittler der Börsenaufsicht Robert Khuzami war zuvor Chefjurist bei der Deutschen Bank in den USA. Er selbst hält sich aber der Behörde zufolge aus den Untersuchungen bei seinem früheren Arbeitgeber heraus. Der derzeitige Chefjurist der Deutschen Bank, Dick Walker, wiederum war zuvor Chefermittler bei der SEC. Die Behörde wollte sich in der Zeitung nicht zu dem Fall äussern.

(jev/awp)