Die US-Hypothekenkrise bringt auch eher kleine Namen ganz gross heraus:So sah sich eine ganze Reihe mittelgrosser deutscher Finanzhäuser mit den Folgen ihrer Fehlspekulationen am Subprime-Markt konfrontiert - und mit dem Schweinwerferlicht der internationalen Finanzmärkte. Als erstes Institut musste sich vor Wochen die IKB mit schweren Verlusten outen.


Management muss gehen

Jetzt zeigt sich dort das ganze Ausmass des Debakels. Die IKB-Führung hat für das Geschäftsjahr 2007/08 einen Verlust und eine Restrukturierung angekündigt. Der Fehlbetrag liegt in der Grössenordnung von 600 bis 700 Mio Euro. Die Geschäftsplanung müsse der aktuellen Situation an den Kapital- und Geldmärkten angepasst werden, lässt die IKB-Führung verlauten.

Gleichzeitig erklärte die Bank, sie wolle ihre Investitionen in international strukturierte Wertpapierportfolien zurückfahren. Die IKB werde ihr Geschäftsmodell künftig stärker auf die erfolgreichen Kerngeschäftsfelder Firmenkunden Inland, Leasing und Private Equity, strukturierte Finanzierung und Immobilienfinanzierung ausrichten.

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Derweilen ist auch klar geworden, wie die hochdosierte Finanzspritze für das angeschlagene Institut appliziert werden soll. Für die IKB hat sich die staatseigene Förderbank KfW als Grossaktionärin mit den Verbänden von privaten Banken, Genossenschaftsinstituten und Sparkassen auf die Übernahme von möglicherweise entstehenden Verlusten in Höhe von 3,5 Mrd Euro geeinigt.

Anders sieht die Rettung bei der Sachsen LB aus. Die Landesbank war ebenfalls im Strudel der Subprime-Krise in eine dramatische Schieflage geraten. Trotz eines Zuschusses aus den Reihen der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe von über 17 Mrd Euro liess sich ein Verkauf jedoch nicht mehr abwenden: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat die schwer angeschlagene Sachsen LB quasi in letzter Minute übernommen und so vor dem Aus gerettet. Doch auch die Sachsen LB kommt nicht um tiefgreifende Umstrukturierungsmassnahmen herum.

Angefangen beim Management: Der Vorstandschef des Instituts, Herbert Süss, hat seinen Rücktritt erklärt. Nachfolger wird der Vorstandsvorsitzende der Ostsächsischen Sparkasse in Dresden, Joachim Hoof, teilte das Geldinstitut mit. Neben Süss müssen auch die übrigen Vorstände Yvette Bellavite-Hövermann und Werner Eckert ihre Posten räumen. Damit ist der gesamte alte Vorstand abberufen worden. Wolf-Dieter Ihle, der bisher bei der LLBW war, wurde als Verantwortlicher für das Kapitalmarktgeschäft in den Vorstand bestellt.


Auch die Bayern mischen mit

Und die LLBW hat noch weitere ambitiöse Pläne. Sie möchte sich nämlich auch die West LB, die letztens durch schwere Verluste im Wertschriftengeschäft erschüttert wurde, einverleiben. Zusammen mit der frisch übernommenen Sachsen LB enstünde damit das drittgrösste deutsche Geldhaus nach Deutscher Bank und Commerzbank.
Intensive Verhandlungen über die sich im Kommunen- und Verbandsbesitz befindenden Landesbanken sind seit längerem im Gange. Gescheitert ist die Fusion bisher an der Politik: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat sich bisher nicht für einen Zusammenschluss entscheiden können.
Was wiederum neuen Varianten und Gerüchten Auftrieb verliehen hat. So soll sich gemäss Presseberichten auch die Bayern LB für einen Einstieg bei der West LB interessieren.