Die beiden Tourismuskonzerne Thomas Cook und TUI sowie der Lufthansa-Ableger Germanwings verhandeln derzeit über eine Fusion des Fluggeschäfts, teilte erstmals offiziell die Thomas-Cook-Gruppe mit. Diese ist seit langem auf der Suche nach einem grösseren Verbund für Condor, nachdem der Kauf durch Air Berlin in diesem Frühjahr gescheitert war. Der deutsch-britische Konzern hält rund drei Viertel an Condor, der Rest gehört noch der Lufthansa, die den Ferienflieger einst gegründet hatte.

Germanwings ist eine Tochter der Eurowings, an der die Lufthansa mit 49% beteiligt ist. Die übrigen 51% gehören dem Baustoffunternehmer Albrecht Knauf. Über eine Stimmbindungsvereinbarung hält die Lufthansa allerdings die Mehrheit der Stimmrechte an Eurowings.

Bewegung in Gesprächen

Es gab auch Spekulationen, wonach Eurowings selbst in einem solchen Bündnis aufgehen könnte. Angeblich möchte Knauf eine Verkaufsoption ziehen und der Lufthansa möglichst schnell seine Anteile verkaufen. Lufthansa und TUI verhandeln seit knapp einem Jahr über ein Zusammengehen ihrer beiden Töchter. Vor allem die Lufthansa hatte die Verhandlungen immer wieder verschleppt. Doch mit Thomas Cook kommt wieder Fahrt in die Gespräche.

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold fühlt sich durch die neue Airline jedoch nicht bedroht. Er habe «erhebliche kartellrechtliche Zweifel», dass dieser Zusammenschluss tatsächlich zustande komme, sagte Hunold bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Aber selbst im Falle einer Fusion «würde sich nicht allzu viel ändern». Schliesslich handle es sich um Wettbewerber, die heute auch schon am Markt seien.

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Sparmassnahmen wirken

Insgesamt verbuchte Air Berlin im 1. Halbjahr saisonbedingt einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 53,9 Mio Euro. Darin inbegriffen ist ein mehrstelliger Millionen-Betrag, den die gescheiterte Condor-Übernahme kostete. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 66,3 Mio Euro. Hunold: «Angesichts der Herausforderung, der unsere Branche wegen der extrem gestiegenen Treibstoffkosten gegenübersteht, sind wir mit dem Ergebnis zufrieden.»

Im 1. Halbjahr stiegen allein die Ausgaben für Treibstoff um 10%. Wegen der rasant gestiegenen Kerosinpreise hatte Air Berlin bereits zu Jahresbeginn ein Sparprogramm aufgelegt. Einige Strecken – darunter die neuen Verbindungen nach Peking und Schanghai – werden aufgegeben und etliche Flugzeuge bleiben im Winter am Boden. Bis Jahresende will man dadurch weitere 35 Mio Euro sparen. Erste Massnahmen zur Verbesserung der Auslastung und der Erlöse hätten Wirkung gezeigt. Es zahle sich aus, dass Air Berlin auf die Kerosinpreise «relativ schnell reagiert» habe. Hunold will das Jahr wie angekündigt mit einem Plus im operativen Geschäft abschliessen.