Als Reaktion auf die Schuldenkrise in Europa, Unruhen im Nahen Osten und die Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan haben Investoren mehr gehandelt und bei der Deutschen Börse die Kassen klingeln lassen: Der deutsche Börsenbetreiber setzte im ersten Quartal mit 559 Millionen Euro acht Prozent mehr um als vor einem Jahr. Der Überschuss stieg um 36 Prozent auf 213 Millionen Euro. Es ist der beste Jahresstart seit 2008.

Der Konzern, der sich um eine Fusion mit der New Yorker NYSE Euronext bemüht, kündigte nun an, in diesem Jahr 890 Millionen Euro für das operative Geschäft ausgeben zu wollen. Das sind 35 Millionen Euro weniger als bislang in Aussicht gestellt worden war. Zudem sollen angestrebte Kosteneinsparungen von 150 Millionen Euro jährlich bereits 2012 erstmals erreicht werden und damit ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

"Wir haben seit der Ankündigung unseres Programms zur Steigerung der Effizienz im ersten Quartal 2010 schneller Fortschritte erzielt als erwartet, unter anderem durch ein sehr gut angenommenes Freiwilligenprogramm", sagte Finanzchef Gregor Pottmeyer laut Pressemitteilung. Das im März vergangenen Jahres bekanntgegebene Effizienzprogramm hatte unter anderem Stellenverlagerungen nach Prag beinhaltet sowie einen rund zehnprozentigen Stellenabbau auf Managementebene.

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"Die deutlich gesunkenen Kosten und die gesenkte Prognose für die operativen Kosten ist die grösste Überraschung. Passend dazu kommt daher die Ankündigung von Einspareffekten bereits im Jahr 2012", kommentierte Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt. Die Aktie reagierte allerdings kaum auf die Zahlen und stieg nur um marktkonforme 0,49 Prozent auf 55,55 Euro.

Deutsche Börse bestätigt höhere Synergieeffekte

Auch der Übernahmepoker um die Wall Street machte sich in der Quartalsbilanz des Konzerns bemerkbar: 10,2 Millionen Euro kostete der geplante Zusammenschluss die Deutsche Börse bislang. Mitte Februar hatte sich die Deutsche Börse mit dem Betreiber der Wall Street auf eine Fusion geeinigt.

Die Deutsche Börse erwartet nun ebenfalls höhere Synergieeffekte im Fall einer Fusion mit der NYSE Euronext . Es werde nun mit Einspareffekten von 400 Millionen Euro jährlich gerechnet statt mit den bislang berichteten 300 Millionen Euro, wie Vorstandschef Reto Francioni in Frankfurt sagte. Damit bestätigte er die Aussage von NYSE-Chef Duncan Niederauer, der bereits gesagt hatte, dass beide Unternehmen nun eher Einspareffekte sähen, die näher an 400 Millionen als an 300 Millionen Euro lägen.

Die Deutsche Börse bietet 10,5 Milliarden Dollar für die NYSE und hat dabei die Rückendeckung von deren Management - allerdings wollen die US-Rivalen Nasdaq OMX und ICE den Zusammenschluss verhindern. Sie bieten 11,2 Milliarden Dollar. Die NYSE liess die Rivalen zwar abblitzen, doch diese lassen sich nicht so leicht von ihrem Plan abbringen.

(tno/sda/awp)