Fast zehn Jahre wird der Aargauer Reto Francioni (59) an der Spitze der Deutschen Börse gestanden sein, wenn er im Mai nächsten Jahres abtritt – damit hat er es nach Adidas-Chef Herbert Hainer zum dienstältesten Chef eines Konzerns des deutschen Börsenindex DAX ­gebracht. 2005 vom damals noch ­einflussreichen Hedge-Fund-Manager Christopher Hohn ins Amt gehievt, liess es Francioni eher ruhig angehen. Strategische Grosstaten sind nicht überliefert. Die Fusion mit der Vierländerbörse ­Euronext floppte; nach dem Kauf der US-Optionenbörse IES musste er mehr als 800 Millionen Euro abschreiben.

Befreiungsschlag sollte vor drei Jahren der Zusammenschluss mit der New Yorker Börse NYSE sein. Francioni sah sich schon als Chairman eines trans­atlantischen Börsenriesen. Doch die EU-Kartellbehörden stoppten den Deal, und seitdem zog sich der scheue Börsenchef noch weiter aus der Öffentlichkeit zurück. Er galt wieder als der «blasse und strategielose» («FAZ») Lenker eines biederen Infrastrukturanbieters. Lohnenswert war es allemal: Mehr als drei Millionen Euro bezog er im Schnitt pro Jahr – so viel wie der Chef der Deutschen Telekom, der über 80-mal so viele Mitarbeiter gebietet.

Mehr Dynamik

Von seinem Nachfolger Carsten Kengeter erhoffen sich die Frankfurter vor allem eines: mehr Dynamik. Der frühere UBS-Investment-Banking-Chef war 2011 vom damals frisch erkorenen UBS-VR-Präsidenten Axel Weber und von dessen Vorgänger Kaspar Villiger als zukünftiger UBS-Chef anvisiert worden. Doch der Zwei-Milliarden-Verlust seines Händlers Kweku Adoboli im September 2011 stoppte seinen Aufstieg. Selbst in dieser schwierigen Zeit konnte Kengeter jedoch bei seinen Oberen punkten: Er verhinderte, dass die offenen Positionen sich zu einem grös­seren Desaster ausweiteten.

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Francioni, im letzten Jahr von Weber in den UBS-Verwaltungrat geholt, erhielt über Carsten Kengeter beste Referenzen. Besonders für die Expansion nach Asien, unter Francioni lediglich angekündigt, scheint der 46-Jährige der richtige Mann zu sein: Er spricht ­Mandarin.