Der siebentägige Lokführer-Streik bei der Deutschen Bahn könnte für Rohstoffengpässe in der Chemieindustrie sorgen. «Störungen im Schienengüterverkehr haben weitreichende Auswirkungen auf die Branche und Kunden», sagte eine Sprecherin des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). «Wenn so ein Streik länger dauert, muss man bei Engpässen mit der Versorgung von Rohstoffen rechnen.»

Der Schienengüterverkehr ist für die Chemiebranche von grosser Bedeutung beim Versand von Rohstoffen, Fertig- und Zwischenprodukten. 2013 wurden nach Angaben des VCI 221 Millionen Tonnen Chemikalien in Deutschland insgesamt transportiert, davon 13,8 Prozent mit der Bahn.

Drittgrösster Industriezweig

Die Branche sei deshalb auf reibungslose Abläufe im Schienenverkehr angewiesen, erläuterte die VCI-Sprecherin. Für manche Stoffe ist der Transport über die Schiene gesetzlich vorgeschrieben. Kurzfristig müsse während des Streiks auf andere Transportwege wie den Binnenschiffverkehr oder per Lkw ausgewichen werden. «Für die Chemie sind alle Verkehrsträger wichtig, wenn einer wegfällt, ist das schon ein herber Schlag.»

Die Bahn ist für die Branche, die nach der Autoindustrie und dem Maschinenbau Deutschlands drittgrösster Industriezweig ist, das zweitwichtigste Transportmittel nach Lkw mit gut 63 Prozent.

Stahlindustrie beschwert sich

Auch die Stahlindustrie zeigt sich verärgert über den Streik. «Ein Sieben-Tage-Streik im Güterverkehr trifft die Stahlindustrie als den grössten Kunden von DB Schenker Rail erheblich», sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. 200'000 Tonnen, die jeden Tag für die Stahlindustrie von der Bahn transportiert würden, könnten nur teilweise auf andere Verkehrsträger, wie Lastwagen oder Schiffe, umverteilt werden. «Da der Streik so kurzfristig angekündigt wurde, konnten zudem nur begrenzt Vorkehrungen getroffen werden.»

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Thyssen Krupp hofft, trotzdem glimpflich davon zu kommen. Das Unternehmen stehe im engen Kontakt mit der Deutschen Bahn, erklärte der grösste deutsche Stahlkonzern. «Da sich nicht alle Lokführer an den Arbeitsniederlegungen beteiligen, hoffen wir, dass die Einschränkungen im Frachtverkehr soweit wie möglich begrenzbar sind.» Der Konzern nutze zudem alternative Transportwege und beim Rohstoffverkehr auch die eigene Werksbahn. 

Der bisher längste Lokführer-Streik

Der Streik soll im Güterverkehr am Montag und im Personenverkehr am Dienstag beginnen und bis Sonntag dauern. Es wäre der bisher längste Lokführer-Streik bei der Deutschen Bahn und der achte Ausstand in dem seit dem vorigen Jahr andauernden Tarifstreit. 

(sda/tno/gku/ama)