Im finanziell bislang grössten deutschen Insolvenzverfahren können Gläubiger der Lehman Brothers Bankhaus AG auf eine ungewöhnlich hohe Quote hoffen.

Durch die erhebliche Insolvenzmasse sei eine Erfüllung der Gläubigerforderungen «zu 80 Prozent im Bereich des Denkbaren», sagte Hubertus Kolster der Kanzlei CMS Hasche Sigle, bei der das Verfahren der deutschen Tochter von Lehman Brothers angesiedelt ist, im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.

Ansprüche könnten sicher «zu einem Prozentsatz von 60 plus x erfüllt werden». Der Insolvenzverwalter sei erst von geringeren Werten ausgegangen. Nach Recherchen, Wiederherstellung von Vermögenswerten und deren Verwertung «sind wir zu einem Betrag in der Grössenordnung von 15 Milliarden Euro gelangt», sagte Kolster.

Deutsche Käufer von Lehman-Zertifikaten können allerdings in dem Verfahren nicht auf Geld hoffen. «Die Zertifikate wurden in der Regel von anderen Lehman-Gesellschaften oder Banken ausgegeben», sagte Kolster. Kunden mit Einlagen bei der Lehman-Tochter seien aber vom deutschen Einlagensicherungsfonds entschädigt worden.

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Nach der Bankenpleite im September 2008 habe der Insolvenzverwalter als Grossgläubiger der Lehman-Tochter «die Bundesbank, den Einlagensicherungsfonds und andere Bankinstitutionen und im Wesentlichen keine privaten Gläubiger» gehabt, berichtete Kolster weiter.

Auch Hedgefonds unter den Gläubigern

«Wenn man 5,6 Mrd. Euro bevorrechtigte Forderungen der Bundesbank abzieht», blieben nach derzeitigem Stand für die übrigen Gläubiger aus der Insolvenzmasse etwa neun bis zehn Milliarden Euro. In dem Verfahren hätten Gläubiger zunächst Forderungen von insgesamt 38 Milliarden Euro angemeldet.

Deutlich geringer sei allerdings die Summe der als berechtigt festgestellten Forderungen, sagte der Managing Partner von CMS Hasche Sigle.

Nach seinen Angaben gehören mittlerweile auch grosse Fonds zu den Gläubigern der Lehman-Tochter. «Im Laufe des Insolvenzverfahrens haben Hedge-Fonds dann am Kapitalmarkt Forderungen von Institutionen erworben und sind dadurch ebenfalls zu Gläubigern geworden», sagte Kolster.

(jev/sda)