Unter den Schweizer Versicherern haben gleich zwei Unternehmen das Interesse deutscher Versicherungen geweckt. So hat sich das deutsche Versicherungsunternehmen Signal Iduna erstmals mit 3,88% an Bâloise beteiligt. Währenddessen hat sich AWD-Gründer Carsten Maschmeyer seit dem Verkauf seines unabhängigen Finanzvertriebes an Swiss Life zum grössten Einzelaktionär beim Schweizer Versicherer gemacht. Und als ob das nicht genug wäre, will Maschmeyer laut «Financial Times Deutschland» sich nun auch einen Platz im Swiss-Life-Verwaltungsrat sichern und seine Beteiligung auf 10% aufstocken.

Zudem steht Swiss Life neuerdings in enger Verhandlung mit der deutschen Versicherungsholding Talanax. Bei den Gesprächen mit der Talax-Gruppe startet Swiss Life den Versuch, einen Teil des letzten Jahres erworbenen Aktienpaketes von 24% am unabhängigen deutschen Finanzvertrieb MLP zu veräussern. Gemäss «Financial Times Deutschland» verhandelt Swiss Life aber nicht nur über einen möglichen Teilverkauf, sondern auch um eine 10%ige Beteiligung von Talanx am Schweizer Versicherungsunternehmen.

Wetten auf Bâloise

Derzeit laufen unter Insidern Wetten darüber, dass sich Bâloise innerhalb eines Jahres von ihrer Eigenständigkeit verabschieden wird. So hat beispielsweise Bâloise-Präsident Rolf Schäuble bereits mehrere Male betont, einer freundlichen Übernahme nicht abgeneigt zu sein.

Pikant an der Geschichte mit Signal Iduna ist sicherlich der vergangene Streit zwischen dem Management von Bâloise und der Krankenversicherung Deutscher Ring. Als dieser mehr und mehr eskalierte, flüchteten sich die jeweiligen Genossenschaften der Deutschen Ring in die Arme von Signal Iduna. Welche freundlichen oder feindlichen Ziele diese mit ihrer Bâloise-Beteiligung nun verfolgt, lässt sich derzeit nicht festmachen.

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Ebenfalls nach wie vor nicht auszuschliessen ist das weitere Vorrücken und damit die mögliche Übernahme durch die Allianz-Gruppe. So hat der CEO der Allianz Schweiz, Manfred Knof, bereits im vergangenen Jahr gegenüber der «Handelszeitung» offen gelegt, zur Nummer drei in der Schweiz heranwachsen zu wollen. Aufgrund der Marktsättigung würde ihm dies nur durch eine geeignete Akquisition gelingen.

Zumindest für die Bâloise-Geschäftsleitung hat eine Übernahme auch einen positive Nebeneffekt. So hält ihre Corporate Governance fest, dass für sämtliche Geschäftsleitungsmitglieder eine stattliche Abfindung garantiert ist.

«Sit and wait»

Trotz Warren Buffetts Beteiligung am hiesigen Rückversicherer Swiss Re, dürfte es wohl demnächst zu keiner Heirat zwischen Berkshire Hathaway und Swiss Re kommen. Mit der Verzinsung von 12% auf sein gewährtes Kapital verdient Buffett sage und schreibe 1 Mio Fr. pro Tag an Zinsen. «Die hohe Rendite dürfte Buffett dazu veranlassen, eine ?Sit& Wait?-Taktik auszuüben und mit weiteren Schritten vorerst abzuwarten», sagt Versicherungsexperte René Locher von Sal Oppenheim.

 

 

nachgefragt Hans Künzle, CEO Nationale Suisse, Basel


«Derzeit steht ein Verkauf nicht zur Diskussion»

Der CEO von Nationale Suisse, Hans Künzle, zu den Auswirkungen der Krise auf das Kollektiv-Versicherungsgeschäft.

Derzeit liegt vor allem die Kollektivversicherung den Versicherern auf dem Magen. Bereits früher haben Sie über den Verkauf dieser Sparte beraten. Steht dies nun wieder zur Debatte?

Hans Künzle: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt steht ein Verkauf nicht zur Diskussion. Ob dies auch anhält, hängt aber davon ab, wie sich die politischen Rahmenbedingungen für das Kollektivversicherungsgeschäft weiterentwickeln werden.

Aber nicht nur die Politik dürfte für Kopfzerbrechen sorgen, sondern auch, dass in Krisenzeiten mehr Personen erkranken?

Künzle: Durchaus erkranken in schwierigen Zeiten mehr Menschen. Zusammen mit den steigenden Gesundheitskosten werden die Versicherungsleistungen in der betrieblichen Vorsorge und in der Kollektiversicherung ansteigen. Hinzu kommt, dass wegen Entlassungen und Kurzarbeit die Lohnsummen nicht mehr ansteigen oder eher zurückgehen und damit weniger Prämien eingenommen werden.

Werden die Prämien erhöht?

Künzle: Im einen oder anderen Fall wird es nun zu Prämienanpassungen kommen.