Ein ehemaliger Schweizer Kundenberater der im US-Steuerstreit untergegangenen Privatbank Wegelin wird von Deutschland an die USA ausgeliefert. Dies hat das Oberlandesgericht in Frankfurt in der letzten Woche entschieden. Der Banker wird verdächtigt, reichen US-Bürgern bei Steuerhinterziehungen geholfen zu haben. Beim ehemaligen Wegelin-Angestellten handelt es sich um einen 51-jährigen Vater von vier Kindern.

Die Auslieferung hatten die USA beantragt, wie Gerichtssprecher Jens-Peter Kreiling am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda zu einem entsprechenden Bericht des Onlineportals «Inside Paradeplatz» sagte. Der ehemalige Kundenberater soll bei der Privatbank Wegelin für Kunden undeklarierte Konten eröffnet und betreut haben. Dafür gebe es hinreichend konkrete Anhaltspunkte im Auslieferungsbegehren der USA, sagte Kreiling weiter. Der Schweizer war im Februar am Frankfurter Flughafen festgenommen und in Festhaltehaft versetzt worden.

Gegen Kaution frei

Mittlerweile ist der Ex-Banker gegen Kaution auf freiem Fuss. Er werde geladen, sich am Flughafen Frankfurt zu stellen und die Reise in die USA anzutreten, sagte Kreiling weiter: «Falls er das nicht tut, wird er zur Fahndung ausgeschrieben. Die Kaution würde verfallen.» Zuständig in den USA sei das Bundesgericht des südlichen Bezirks von New York, das einen Haftbefehl gegen den Ex-Banker erlassen habe.

Das US-Justizministerium macht seit Jahren Jagd auf Schweizer Banker und Institute, weil US-Bürger auf ihren Konten Milliarden am Fiskus vorbei schleusten. Die älteste Schweizer Privatbank Wegelin schloss 2013, nachdem sie sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig bekannt hatte und den USA 74 Mio. Dollar zahlen musste. Das Nicht-US-Geschäft wurde von Raiffeisen übernommen.

(sda/ise)