Deutsche, die in der Schweiz Schwarzgeld gebunkert haben und es nun abheben wollen, erleben dem deutschen Nachrichtenmagazin «Spiegel» zufolge derzeit böse Überraschungen: Manche Banken zahlen nur die Hälfte des Vermögens aus, andere nur ein paar Tausend Franken, so das Magazin laut einem Vorabbericht.

Dahinter steckt laut «Spiegel» die Sorge der Schweizer Geldinstitute, dass zu viele deutsche Kunden ihre Konten räumen, um einer zukünftigen Besteuerung zu entgehen.

«Wir möchten, dass das Steuerabkommen eingehalten wird», zitiert das Magazin Thomas Sutter von der Schweizerischen Bankiervereinigung. «Darum sind große Barauszahlungen derzeit nicht möglich. Überweisungen sind kein Problem.»

Der Hintergrund: Die Schweiz und Deutschland haben sich Anfang August auf eine Steuerabkommen geeinigt. Demnach sollen Schweizer Banken in Zukunft auf Kapitalerträge deutscher Bürger eine Abgeltungssteuer von 26 Prozent erheben.

Betroffene ziehen Klagen in Erwägung

Altvermögen sollen demnach nachträglich pauschal mit 19 bis 34 Prozent versteuert und somit legalisiert werden. Die Schweizer Banken haben sich dabei zu einer Garantieleistung in der Höhe von 2 Milliarden Franken verpflichtet, die anschliessend mit den Steuerzahlungen verrechnet werden soll.

Anzeige

«Eine Reihe von Mandanten hat in den vergangenen Wochen bei ihren Schweizer Banken kein oder nur wenig Bargeld bekommen», sagt Martin Wulf von der auf Steuerrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Streck, Mack, Schwedhelm laut dem Bericht. Einige Betroffene ziehen demnach sogar Klagen in Erwägung.

Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland soll Anfang 2013 in Kraft treten. Allerdings gibt es offenbar Schlupfloch, durch das Deutsche ihre Gelder bis Mai 2013 ausser Landes schaffen können. Viele Details zu dem Abkommen sind bisher noch nicht bekannt.

Derweil regt sich Kritik: Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans nannte das Abkommen im Interview mit handelszeitung.ch «eine Amnestie ist für jedwede Form des Steuerbetrugs - für einen Betrag, der weit unter dem liegt, was ein ehrlicher Steuerzahler in vergleichbarer Situation bezahlt hätte». Seine sozialdemokratische Partei droht, die Vereinbarung im deutschen Bundesrat zu blockieren.

(tno)