Wegen des Verdi-Flughafenstreiks an diesem Donnerstag streicht die Lufthansa fast 600 Flüge. Einzelne Verbindungen fallen bis zum 31. März aus, wie aus einer am Mittwoch im Internet veröffentlichten Liste hervorgeht. Betroffen seien vor allem innerdeutsche und europäische Verbindungen, teilte das Unternehmen mit.

Auch der Flughafen Zürich ist vom Warnstreik betroffen. Eine Flughafensprecherin bestätigte gegenüber handelszeitung.ch, dass die Lufthansa für Donnerstag insgesamt 10 Flüge mit Abflug oder Ankunft in Zürich gestrichen habe. Betroffen sind vier Rotationen zwischen Zürich und Frankfurt und eine Rotation zwischen Zürich und München. Ein Chaos wie in einigen deutschen Flughäfen ist dagegen in Zürich nicht zu erwarten.

Mehr Personal in Frankfurt

Der grösste Flughafen in Frankfurt will angesichts des bevorstehenden Streiks zusätzliches Personal abstellen, um die Kunden zu informieren, wie ein Fraport-Sprecher sagte. Der Flughafen Hannover schätzt nach Angaben einer Sprecherin die Streikbereitschaft in der Landeshauptstadt eher gering ein. Dennoch sei auch dort mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen.

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Die geplanten Warnstreiks stiessen auf heftige Kritik in der Luftverkehrsbranche. «Flughäfen werden immer mehr zum öffentlichkeitswirksamen Schauplatz für Tarifauseinandersetzungen. Was früher eine absolute Ausnahme war, darf nicht zur Regel werden», sagte Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV in Berlin.

Auch die Lufthansa kritisierte die Verdi-Streiktaktik. «Wie schon bei dem Warnstreik des Sicherheitspersonals in Frankfurt vor gut einem Monat nimmt Verdi bewusst in Kauf, dass unbeteiligte Menschen und Unternehmen zur Durchsetzung von Gewerkschaftsforderungen instrumentalisiert werden», sagte Vorstandsmitglied Bettina Volkens. Alleine bei der Lufthansa-Gruppe entstünden Millionenschäden, obwohl sie nicht Partei in dieser Tarifauseinandersetzung sei.

Weitere Streiks in Deutschland

Am Mittwoch sorgten erneut Arbeitsniederlegungen in mehreren Bundesländern vor allem im Nahverkehr für Behinderungen und Einschränkungen. Verdi legte erneut grosse Teile des Nahverkehrs in Nordrhein-Westfalen lahm. «Wir haben eine annähernd hundertprozentige Streikbeteiligung», sagte ein Verdi-Sprecher.

Auch Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg waren betroffen. In vielen Städten blieben Busse und Bahnen in den Depots. Verdi erwartete zu einer Kundgebung in Kassel mit dem Bundesvorsitzenden Frank Bsirske bis zu 5000 Teilnehmer.

Am Montag wird verhandelt

Verdi will mit den Aktionen Druck vor der dritten Lohnverhandlungsrunde machen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer treffen sich vom kommenden Montag an in Potsdam. In der zweiten Runde hatte es zwar eine Annäherung in einzelnen Punkten, aber insgesamt keinen Durchbruch gegeben. Die Gewerkschaften fordern, dass die Einkommen der 2,1 Millionen Angestellten im Bund und in den Kommunen um einen Betrag von 100 Euro und dann zusätzlich um weitere 3,5 Prozent steigen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt.

(awp/gku/chb)