Im vergangenen Sommer sorgte die Internetsuchmaschine des Thurgauer Start-up Hulbee für Begeisterung in den Fachmedien. Es war sogar von einer Schweizer Attacke auf den Internetgiganten Google die Rede. Doch nun bläst dem Unternehmen eisiger Wind ins Gesicht. In Internetforen machen Gerüchte die Runde, dass es sich bei Hulbee um einen Bluff handeln könnte. Der Vorwurf: Das Unternehmen, das an der Frankfurter Börse gelistet ist, verkaufe in geringer Zahl eigene Aktien und treibe so den Kurs in die Höhe. Die Firmengründer würden sich durch gezieltes Abstossen der eigenen Valoren bereichern.

Eine Notierung an der Frankfurter Börse ist vergleichsweise leicht möglich und der Kursverlauf von Hulbee ist augenfällig. Seit dem Listing im Herbst 2008 kletterte der Kurs bis Juli 2009 auf beinahe 5 Euro. Kurz darauf setzt die Aktie zum Sinkflug an und notiert aktuell bei nicht einmal mehr 2 Euro. Doch bei einem Nennwert von 1 Cent und einer Stückelung von 80 Mio Aktien ergibt das eine stolze Marktkapitalisierung von rund 140 Mio Euro. Beachtlich für ein Start-up mit rund 60 Angestellten.

Was ist die Firma wert?

Offen ist, welchen Wert Hulbee tatsächlich besitzt. Der Internet-Rankingdienst Alexa weist bis im Sommer dieses Jahres für die Hulbee-Webseite stark steigende Klickzahlen aus. Danach bricht der Verkehr auf den Seiten Hulbee.de, Hulbee.ch und Hulbee.com ein und bewegt sich auf deutlich tieferem Niveau. Ein Indiz dafür, dass die Suche auf der Homepage weniger genutzt wird. Zudem ist es mit etwas Know-how leicht möglich, eine Suchmaschine zu konstruieren. Denn Hulbee nutzt den Such-Algorithmus von Yahoo. Dieser steht seit der vollkommenen Öffnung der Yahoo-Suchtechnologie im Juli 2008 Drittanbietern zur Verfügung. Darauf aufbauend, bietet Hulbee die sogenannte DataCloud an. Aus Suchbegriffen generiert Hulbee eine Begriffswolke mit sinnverwandten Worten. Zusätzlich zur kostenlosen Internetsuche werden zahlreiche, zum Teil kostenpflichtige Werkzeuge zur Optimierung von Webseiten und Programmen zur Desktopsuche entwickelt. Hulbee verteidigt sich gegen die Anschuldigungen. «Ich glaube an mein Unternehmen, in unseren Technologien steckt grosses Potenzial», so Andreas Wiebe, der CEO des Start-up, auf Anfrage. «Wir haben beim Börsengang einige Fehler begangen, am liebsten würde ich ihn rückgängig machen», so Wiebe. Das Unternehmen sei beim Gang an die Frankfurter Börse von Börsenmaklern und einer Beratungsfirma betrogen worden. Unterdessen sei daher gegen die entsprechenden Unternehmen Strafanzeige eingereicht worden. Eine Anfrage bei den jeweiligen Staatsanwaltschaften verlief jedoch ergebnislos. Doch Wiebe weiss: Weitere Schweizer Start-up seien von denselben Personen hinters Licht geführt worden.

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Hulbee will Anleger besänftigen

Die Berater hätten beim Börsengang von Hulbee 14 Mio Aktien, etwa 17,5%, erhalten. Dieser Anteil wurde dann Anlegern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angeboten. So sei etwa behauptet worden, Microsoft würde die Firma bald für 10 Euro pro Aktie übernehmen. Doch stattdessen folgte der Absturz des Wertpapiers. Statt der versprochenen Übernahme durch den Software-Riesen hätten die Berater ihre Aktien an Leichtgläubige verkauft. Anleger machen nun Hulbee für den Wertzerfall verantwortlich. Wiebe bestreitet, etwas von den Machenschaften gewusst zu haben. Um den Ruf wieder herzustellen, werde Hulbee den geschädigten Aktionären Wertpapiere anbieten und bald eine Aktionärsversammlung abhalten. «Ich will das Vertrauen zurückgewinnen», sagt Wiebe.