«Wir wollen Qualität zu günstigen Preisen bieten.» So lautet das Credo des Lidl-Chefs Andreas Pohl. In der zweiten Hälfte März werden die ersten zehn Filialen des deutschen Harddiscounters in der Schweiz mit einem Sortiment von 1800 Artikeln eröffnet. Der deutsche Discounter will auch Bio- und Fairtradeprodukte verkaufen. «30 bis 40% des Angebots werden Markenartikel sein», sagt Pohl. Damit greift Lidl den Discounter Denner an. Denner führt 1850 Artikel, wobei Markenartikel aber 75% ausmachen. Denner-Chef Philippe Gaydoul gibt sich angesichts des neuen Herausforderes betont gelassen (siehe «Nachgefragt»).

Letzte Woche lud der Lidl-Chef Journalisten zu einem Kochabend nach Aarau ein. Der 39-jährige Pohl ist schweizerisch-deutscher Doppelbürger und arbeitet seit elf Jahren bei Lidl. Als Vater von drei Kindern ist Kochen für ihn kein Fremdwort. Doch noch lieber als Gemüsebrei mischt er den Schweizer Detailhandel auf. Er ist stolz, dass nur schon die Ankündigung des Markteintritts von Lidl die Preise bei Coop und Migros ins Purzeln gebracht hat. Seine Preispolitik will Pohl noch nicht verraten. «Wir legen die Preise erst eine Woche vor Start fest», erklärt er.

Bereits hat Lidl rund 450 Mitarbeitende angestellt. Rund 100 Angestellte arbeiten in der Verwaltung. Der Hauptsitz liegt in Weinfelden. In der Regel arbeiten 20 Mitarbeitende in einer Lidl-Filiale, doch für die Schweiz wurden pro Laden 35 Mitarbeitende engagiert. Das ist allerdings nur beim Start der Fall und zeigt, dass Lidl genügend Personal akquiriert, um die Expansion zügig voranzutreiben. «Wir streben ein flächendeckendes Verkaufsstellennetz an», sagt Pohl. Er denkt auch über einen Gesamtarbeitsvertrag nach: «Wir führen Gespräche.»

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Angriff auf Coops Vorherrschaft

Pohl kritisiert den Druck, den die grossen Detailhändler auf ihre Lieferanten ausüben. «Lidl ist in 23 Ländern tätig, aber nirgendwo ist der Druck auf Lieferanten so gross wie in der Schweiz.» Dabei würden die Produzenten vor allem Coop an den Pranger stellen. Lidl habe darum die Wettbewerbskommission um eine Abklärung gebeten. «Die Weko führt diesbezüglich mit Lieferanten zurzeit noch Gespräche», bestätigt Patrik Ducret von der Weko.

Auch die Konzentration im Detailhandel mit Migros und Coop schätzt Pohl als überdurchschnittlich stark ein. Was wohl mit ein Grund dafür ist, dass Lidl so lange bis zum Start zuwartete. Denn bereits Ende 2003 wurde Lidl Schweiz gegründet, noch vor dem Discounter Aldi Schweiz. Doch Aldi wagte den Start bereits im Oktober 2005 und führt heute 94 Filialen hierzulande. Im Gegensatz zu Lidl führt Aldi aber nur tausend Artikel und nur sehr wenige Markenprodukte, was ihn zu einem starken Konkurrenten für Migros macht. Laut dem Marktforschungsinstitut GfK Switzerland werden Aldi und Lidl 2010 einen Markanteil von rund 5% im Lebensmittelhandel erreichen.

 

 

NACHGEFRAGT
«Keine Preisoffensive»

Philippe Gaydoul ist noch bis Ende Jahr CEO von Denner, bleibt danach aber VR-Präsident.

Wie reagiert Denner auf den Markteintritt von Lidl?.

Philippe Gaydoul: Natürlich werden wir die Situation genau beobachten, aber wir werden unsere Strategie nicht auf diesen Tag hin anpassen. Als Aldi in die Schweiz gekommen ist, haben wir auch nichts Spezielles unternommen.

Lassen Sie sich bei den Preisen von Markenartikeln unterbieten? Oder werden Sie nachziehen?

Gaydoul: Bei einzelnen Produkten werden wir bereits heute preislich unterboten. Für die Kunden wichtig ist aber, dass über den gesamten Warenkorb hinweg die Preise stimmen und nicht nur punktuell. Ich erwarte, dass die Preise in den nächsten Jahren 10 bis 20% fallen.

Bereiten Sie eine Preisoffensive vor?

Gaydoul: Nein, wir können gar nicht auf einen Schlag die Preise von 100 Artikeln reduzieren. Das würde doch bedeuten, dass wir zuvor über Jahre zu viel verdient hätten, und das ist ja nicht der Fall.

Begegnen Sie der neuen Konkurrenz mit einer speziellen Werbekampagne?

Gaydoul: Lassen Sie sich überraschen.

Haben Sie das Werbebudget aufgestockt?

Gaydoul: Nein. Warum sollen wir jetzt mehr Werbung machen, nur weil ein neuer Konkurrent in den Markt kommt?

Lidl verfolgt ein ähnliches Konzept wie Denner. Wie heben Sie sich ab?

Gaydoul: Wir sind und bleiben der einzige Schweizer Discounter. Mit 750 Stützpunkten haben wir eine Kundennähe, die Aldi und Lidl nie erreichen werden.