Gute Kunde für Flugreisende von und nach Deutschland: Der angedrohte Streik der Fluglotsen findet vorerst nicht statt. Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon rief die Deutsche Flugsicherung (DFS) in der Nacht die Schlichtung an und vereitelte den Ausstand.

Damit herrscht Friedenspflicht und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) darf in den nächsten rund vier Wochen nicht die Arbeit niederlegen. Ursprünglich hatte diese am Dienstagmorgen - mitten in der Ferienzeit - zwischen 6 und 12 Uhr zum Ausstand aufgerufen.

Der Flugverkehr in Deutschland wäre weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch die Schweiz wäre von der Arbeitsniederlegung betroffen gewesen. Bei der Flugsicherung Skyguide rechnete man damit, dass im schlimmsten Fall mehrere hundert Flüge hätten annulliert werden müssten.

Vor Gericht gescheitert

Die DSF versuchte bis zum Schluss, den Ausstand gerichtlich per Einstweiliger Verfügung zu verhindern. Am Mittwoch vergangener Woche hatte das Arbeitsgericht den Streik noch untersagt und die Gewerkschaft daraufhin den Arbeitskampf abgeblasen.

Am Montagabend aber scheiterten die Arbeitgeber in erster Instanz vor dem Frankfurter Arbeitsgericht und in zweiter Instanz vor dem hessischen Landesarbeitsgericht. Doch unmittelbar nach Urteilsverkündung kam es zur grossen Überraschung: Die Anwälte der Flugsicherungen drückten den Fluglotsen-Rechtsvertretern einen vorbereiteten Zettel mit der Aufforderung zur Schlichtung in die Hand.

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«Ich kann von unseren Kunden den Schaden nicht anders abwenden, deshalb haben wir die Schlichtung angerufen», sagte DSF-Personalchef Jens Bergmann.

Aufforderung zum Dienst

Die Fluglotsen mussten darauf eingehen - das wurde zwischen den Parteien schon vor dem Tarifstreit so vereinbart. «Wir werden die Mitarbeiter nun auffordern, am Dienstag ihren Dienst zu verrichten», sagte der Tarifvorstand der GdF, Markus Siebers.

Dennoch freue sich die Gewerkschaft, dass das Gericht anerkannt habe, dass die Tarifforderungen der GdF und der angekündigte Ausstand rechtmässig seien. Während der Schlichtung, die voraussichtlich vier Wochen dauern wird, darf nicht gestreikt werden.

Und so gehen die Verhandlungen in dem seit sieben Monaten schwelenden Tarifstreit in die nächste Runde. Die Fluglotsen fordern eine Lohnsteigerung von mehr als sechs Prozent und mehr Mitsprache in Personalfragen.

(cms/tno/sda)