Der Softwarekonzern SAP will mit der grössten Übernahme seiner Geschichte das Geschäft mit Cloud-Software stärken. Der Marktführer für Firmensoftware plant den Kauf der Concur Technologies aus den USA für 8,3 Milliarden Dollar, wie er am Donnerstagabend mitteilte. Concur bietet Software zum Buchen und Abrechnen von Dienstreisen an und verdiente operativ im vergangenen Jahr 6,4 Millionen Dollar. Viel wichtiger als der Gewinn ist SAP aber die breite Nutzerbasis in mehr als 150 Ländern, wie Chef Bill McDermott erklärte.

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«Bei diesem Netzwerk-Effekt haben wir hier eine ganz grosse Sache, Leute», sagte McDermott in einer Telefonkonferenz in der Nacht zum Freitag. Über SAP würden zusammen mit Concur jährlich 50 Millionen Nutzer 600 Milliarden Dollar an Transaktionsvolumen fließen lassen - McDermott zufolge «mehr als Amazon, Ebay und Alibaba zusammen». Das ist SAP einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs vom Vortag wert, den Concur-Aktionäre wie die American-Express-Reisetochter und Vermögensverwalter wie Blackrock und Fidelity einstreichen.

Schwerpunkt in den USA

SAP setzt immer stärker auf den Absatz von Software, die nicht fest auf Rechnern installiert, sondern über das Internet gegen eine Miete genutzt wird. Viele reine Cloud-Anbieter erwirtschaften derzeit noch keinen Gewinn und investieren viel in den Ausbau ihrer Kundenbasis. Concur besteht schon seit gut 20 Jahren und hat inzwischen 4200 Mitarbeitende. Bei gut 23'000 Firmenkunden nutzen 25 Millionen Beschäftigte dessen Buchungs- und Spesenabrechnungsprogramme.

Mit 84 Prozent der Kunden hat Concur seinen Schwerpunkt in den USA und bedient auch die US-Regierung, die laut McDermott mit einem jährlichen Reisebudget von 15 Milliarden Dollar der grösste Reise-Kunde weltweit sei. Concur soll durch SAP im Ausland stark wachsen. «Wenn man die Bedürfnisse der US-Regierung erfüllt, kann man auch die von allen anderen Regierungen weltweit erfüllen», sagte Concur-Chef Steve Singh.

SAP ist die Nummer zwei

Für seine Dienste vernetzt Concur viele Firmen rund um das Reisen wie Fluggesellschaften, die Kreditkartenfirma American Express oder den Mitfahrdienst Uber, der in Deutschland mit seiner Konkurrenz zum traditionellen Taxigewerbe gerade hohe Wellen schlägt. McDermott sieht hier grosses Potenzial. Denn nur 30 Prozent der Concur-Kunden setzten bisher SAP-Lösungen ein, was den Verkauf der eigenen Produkte fördern werde.

Gemessen am Umsatz mit Cloud-Diensten sind die Deutschen die Nummer zwei nach dem US-Konkurrenten Salesforce, aber vor dem Erzrivalen Oracle oder IBM. SAP war spät in den Markt für Cloud-Computing eingestiegen, hat das Geschäft dann aber rasch mit Milliardenübernahmen aufgebaut. Der letzte große Coup war 2013 der Kauf der Schweizer Hybris, die Programme zum Vertriebsmanagement anbieten - eine direkte Konkurrenz zum Marktführer Salesforce. Vor zwei Jahren hatte SAP für 2,5 Milliarden Euro den auf Software zum Personalmanagement spezialisierten Anbieter Success Factors und die Einkaufsplattform für Firmen Ariba zum Preis von rund 3,4 Milliarden Euro gekauft.

SAP hat das Gewinnziel verschoben

2013 stammten erst 4,5 Prozent des SAP-Umsatzes von knapp 17 Milliarden Euro aus dem Cloud-Geschäft. Doch die Sparte wächst rasant, sodass der Anteil bis 2017 auf 15 Prozent - oder 3,5 von insgesamt 22 Milliarden Euro Umsatz - steigen soll. Dieses Ziel werde wegen des Zukaufs angepasst, der nach Zustimmung der Aktionäre und Kartellbehörden wohl bis zum Frühjahr abgeschlossen sein soll, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Wegen des Wachstumsplans für die Mietsoftware hatte SAP sein ursprüngliches mittelfristiges Gewinnziel im Januar verschoben. Die Umsatzrendite soll nicht schon 2015, sondern erst 2017 auf 35 Prozent klettern von 32,6 Prozent im vergangenen Jahr. Ein Grund dafür ist, dass ein Vertrag mit einem Kunden über Cloud-Programme erst nach fünf Jahren Gewinn abwirft. Für herkömmliche Software kassieren die Hersteller dagegen einmalig eine hohe Lizenzgebühr. Auch sind die Wartungseinnahmen bei der Mietsoftware geringer als im angestammten Geschäft.

SAP-Rivale ist Oracle

Die Kunden können Software über die Datenwolke nicht nur günstiger einkaufen, sie brauchen auch weniger Hardware. Das bekommt der SAP-Rivale Oracle zu spüren, der auch Rechner verkauft. Dessen Umsatz blieb deshalb im ersten Quartal mit 8,6 Milliarden Dollar hinter den Markterwartungen zurück. Der SAP-Rivale tauscht zudem überraschend seine Spitze aus. Der Firmen-Mitbegründer und langjährige Vorstandschef Larry Ellison räumt seinen Posten. Finanzchefin Safra Catz und Vertriebsvorstand Mark Hurd übernehmen als Doppelspitze das Ruder. Auch SAP wurde traditionell von einem Zweier-Gespann geführt. Doch seit Mai ist der Amerikaner McDermott alleiniger Mister SAP.

(reuters/se/moh)