Der Franken hat in den letzten Wochen gegenüber dem Euro deutlich an Fahrt gewonnen, der Wechselkurs liegt bei 1,6389 Euro/Franken. «Die Kreditmarktkrise hat das Risikobewusstsein der Marktteilnehmer gestärkt und diverse Carry Trades aufgelöst», sagt Martin Hüfner.

Der Startschuss für die Trendwende wurde laut dem Chefökonomen der Aquila Investment AG aber schon vorher abgefeuert – und zwar von der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Zentralbanker sahen die Schmerzgrenze bereits im Juni erreicht und ergriffen Massnahmen, um den Franken zu stützen. Neben der Erhöhung des Satzes für die Sale and Repurchase Agreements (Repo) und einer knapperen Zuteilung von Liquidität versuchten die Zentralbanker, dem Franken neues Leben einzuhauchen. Denn die Schweizer Währung war zuvor innert Jahresfrist deutlich gesunken. Gegenüber dem Euro hat der Franken rund 5% nachgegeben und landete auf einem Tiefst bei 1,6685 Fr./Euro.

Kreditkrise wertet Franken auf

Ein wesentlicher Grund für den Tiefflug der harten Währung waren die Carry Trades der vergangenen Monate. Die tiefen Zinsen in der Schweiz wurden von vielen Marktteilnehmern als Einladung betrachtet, sich billig in der Eidgenossenschaft zu verschulden und das geliehene Geld umgehend in Hochzinsländern und in Aktien anzulegen. Diese Kapitalströme verbilligten den Franken, ebenso wie den Yen. Dieser Abwärtstrend sollte nun aber vorläufig ein Ende gefunden haben. Die US-Kreditmarktkrise hat zu einer Auflösung der Carry Trades im grossen Stil geführt, und schon befürchten Ökonomen eine zu rasche und zu steile Aufwärtsbewegung des Frankens.
Martin Hüfner hält dieses Szenario jedoch für unwahrscheinlich. Der Franken habe sich seit 2003 in einem engen Band zur europäischen Währung bewegt und sei quasi ein virtuelles Mitglied des Euro gewesen. «Durch die Carry Trades ist der Franken aus diesem Band ausgebrochen. Da jetzt ein grosser Teil der Carry Trades weg ist, könnte die Schweizer Währung wieder in das alte Band einschwenken», erläutert Hüfner.
Die Kreditkrise werde sich aber nicht zu einer Systemkrise auswachsen – dafür wüssten die Zentralbanken zu sorgen. «Sobald das Schlimmste überstanden ist, werden die Carry Trades teilweise wieder aufgenommen und der Franken-Höhenflug gebremst», führt Hüfner weiter aus. «Der Franken wird gegenüber dem Euro steigen, das Aufwärtspotenzial ist aber begrenzt», fasst Hüfner zusammen.
Zu einer klaren Prognose lässt sich der Ökonom nicht hinreissen. Ein Euro-Franken-Band, dessen Obergrenze in den nächsten zwölf Monaten bei einem Wechselkurs von 1,60 liegt, würde ihn aber nicht überraschen.
Die Gründe für den Abbau der Carry Trades ortet auch Marcus Hettinger im gestärkten Risikobewusstsein der Marktteilnehmer. Der Währungsanalyst der Credit Suisse nennt aber auch den mit der Kreditmarktkrise verbundenen Anstieg der Nervosität der Anleger. «Im Euro-Franken-Währungspaar war die implizite Volatilität im Juli so hoch wie seit Ende Juni 2003 nicht mehr», sagt der Fachmann. Dies habe die Carry Trades unattraktiv werden lassen, weil die Zinsdifferenz im Verhältnis zum eingegangenen Risiko markant geschrumpft sei. Laut Hettinger wird die Auflösung der Carry Trades den Franken mit einer gewissen Verzögerung aufwerten, wobei die generelle Unsicherheit dieser Zinsdifferenzgeschäfte noch für zusätzlichen Aufwertungsdruck sorgen dürfte. «Das könnte den Franken als sicheren Hafen reizvoll und als Finanzierungswährung für Carry Trades dementsprechend unattraktiv machen», sagt Hettinger. Die Entwicklung des Frankens wird laut dem Währungsanalysten auch in hohem Mass davon abhängen, ob sich die Aktienmärkte beruhigen.

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Keine Bremse für Exporte

Eine Gefahr für die Schweizer Exportwirtschaft vermag Marcus Hettinger in einem starken Franken aber nicht zu erkennen. «Entscheidend ist vor allem die konjunkturelle Situation in den Abnehmerländern und somit die Robustheit der Weltwirtschaft», erläutert er. «Bleibt zudem die Innovationskraft der Schweizer Produzenten auf einem hohen Niveau, kann sich der Aussenhandel auch bei einem festeren Franken dynamisch entwickeln», lautet Hettingers Fazit.

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Anlagetipp: Jetzt lang laufende Anleihen verkaufen

Obligationen
Währungen spielen laut Marcus Hettinger von der Credit Suisse eine enorme Rolle für die Totalerträge im Obligationenbereich. «Wir sehen den Franken auf Jahressicht gegenüber dem Euro steigen», sagt dazu der Fachmann. Die Zinsen sind laut Hettinger ebenfalls sehr wichtig. Und er gibt auch hier grünes Licht, da sich die Zinsdifferenzen in Europa zugunsten des Frankens entwickeln würden. «Franken- stehen gegenüber Euro-Anleihen wieder in einem attraktiveren Licht», so Hettinger

Asset Allocation
Laut Martin Hüfner von Aquila sollten Anleger angesichts der zu erwartenden Erstarkung des Frankens nicht panikartig ihre Portfolios umschichten. «Die Wechselkursbewegungen werden so klein sein, dass nur schon aufgrund der Transaktionskosten der grosse Reibach nicht möglich ist», warnt der
Banker. «Langfristige Anleihen könnten jetzt verkauft werden,
da ihre Kurse in den vergangenen Wochen gestiegen sind und im
Gegensatz zu Kurzläufern stärker auf Zinserhöhungen reagieren», lautet sein Tipp.