Obwohl noch Unsicherheiten bestünden, gebe es doch immer zahlreichere Anzeichen, dass das Schlimmste überstanden sei, so Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der letzten Sitzung des EZB-Rats vor wenigen Tagen. Die EZB weicht trotzdem nicht vom eingeschlagenen expansiven Weg zur Bekämpfung der Krise ab der Leitzins bleibt mit 1% im Tiefstbereich.

Auch bei den Marktbeobachtern breitet sich der Optimismus aus. «Verlässliche Indikatoren zeigen, dass der Boden der Rezession erreicht worden ist», so Hans-Peter Hausheer, Leitender Ökonom der UBS. Wie lange die Wirtschaft auf dem aktuellen Niveau verharrt, sei jedoch unklar. «Ein Aufschwung ist noch nicht abzusehen», sagt Hausheer. Er geht davon aus, dass auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) vorläufig an ihrer expansiven Strategie festhalten wird. Zwar gibt es gerade in den USA deutliche Anzeichen, dass die Talsohle durchschritten ist, die wirtschaftliche Erholung soll jedoch nicht durch eine zu restriktive Geldpolitik gefährdet werden. So zeigen sich auch die Analysten von Morgan Stanley überrascht über das Ausmass des aktuellen Aufschwungs. Sie gehen aber nicht davon aus, dass sich bereits eine generelle Erholung abzeichnet. Das verdeutlichte auch die Bank of England. Die Notenbank sorgte vor wenigen Tagen mit der Ankündigung für Aufsehen, zusätzlich zu den bereits verwendeten 125 Mrd Pfund 50 Mrd Pfund für den Kauf von Anleihen bereitzustellen.

Dem Franken die Stärke nehmen

Die nächste geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) steht erst am 17. September an. «Für die SNB ist momentan das Wichtigste, dass sich der Franken nicht zu stark aufwertet», so Hausheer. Der Euro-Franken-Kurs pendelt derzeit zwischen 1.50 und 1.55 Fr.

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Zwar wäre für die Exportindustrie ein schwächerer Franken von Vorteil, dennoch wird die SNB mit dem aktuellen Kursniveau nicht gänzlich unzufrieden sein, da die vom Export abhängigen Unternehmen mit dem derzeitigen Wechselkurs umgehen könnten. «Wir gehen davon aus, dass der Franken gegenüber dem Euro in den nächsten zwölf Monaten relativ stabil bleibt», so UBS-Ökonom Hausheer. Falls der Euro-Franken-Kurs weiterhin auf dem aktuellen Niveau notiert, wird die SNB daher keine grösseren Schritte unternehmen müssen. Der sich abzeichnende Aufschwung in Europa sollte zudem auch in der Schweiz zu spüren sein, davon würde dann wieder die hiesige Exportindustrie profitieren.

Die Experten der UBS erwarten, dass sich der Dollar in den nächsten Monaten auf die Franken-Dollar-Parität zu bewegen könnte. Das Fed sei im aktuellen Umfeld nicht an einer starken US-Währung interessiert, so Hausheer. Sollte der Dollar noch einmal deutlich schwächer werden, könnte sich die SNB dazu veranlasst sehen, Dollar zu kaufen. So könnte sie den Franken zugunsten des Dollar abschwächen.

Dank der positiveren konjunkturellen Entwicklung konnte der Dollar jedoch zuletzt zulegen. Die Märkte reagierten stark auf zuversichtlich stimmende US-Arbeitsmarktdaten. Entsprechend kletterte der Dollar-Franken-Kurs von 1.05 auf 1.09 Fr. Die Analysten der Zürcher Kantonalbank führen die Avancen darauf zurück, dass der Markt die USA im Erholungszyklus weit voraus sieht.

Stabilität des Euro ein Plus

Trotz der positiven Konjunktursignale sei für Anleger derzeit Vorsicht angebracht, so Hans-Peter Hausheer von der UBS. Der Aufschwung an den Märkten in letzter Zeit hat bereits viel vorweggenommen. Das Enttäuschungspotenzial sei daher grösser als die Möglichkeit einer positiven Kursentwicklung. Aus Sicht der UBS-Experten sei Europa derzeit interessanter, da das Währungsrisiko geringer ausfalle. Gegenüber den USA ist die UBS vorsichtiger, da sich der Dollar im Verhältnis zum Franken abschwächen könnte.

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Staatsanleihen geraten unter Druck, Firmenbonds im Vorteil

Die positiven Konjunkturdaten, etwa die US-Stellenmarktdaten und die verbesserten Exportzahlen in Deutschland, führten zu Kursrückgängen bei Staatsanleihen. Die Experten von Morgan Stanley befürchten jedoch, dass die Massnahmen der «quantitativen Lockerung» zu einer nicht nachhaltigen Einengung der Risikoaufschläge geführt haben könnten. Laut den Analysten von Clariden Leu könnte die Fed in Kürze damit beginnen, die Spezialmassnahmen zurückzufahren. Sollten die unkonventionellen geldpolitischen Instrumente wieder rückgängig gemacht werden, könnten sich auch die Risikoaufschläge ausweiten und das Inflationsrisiko angeheizt werden, so Morgan Stanley. Die Renditeaufschläge, die Anleger verlangen, um Unternehmensanleihen statt Staatsanleihen zu halten, hätten sich zuletzt kontinuierlich verringert, so die Experten von Clariden Leu. Qualitativ hochrangige Firmenbonds reagierten positiv auf die anziehende Konjunktur. Zudem konnten Anleger von zahlreichen Neuemissionen profitieren, da Unternehmen die günstigen Bedingungen derzeit zur Refinanzierung nutzen.

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