Die Aufsichtsbehörden weltweit verschärfen den Druck auf Banken und Händler, die mutmasslich in Manipulationen am Devisenmarkt verwickelt sind. Nun leitete auch die britische Finanzmarktaufsicht FCA eine Untersuchung der Kurstricksereien ein.

Bisher hatte sie die Banken nur um Informationen gebeten. Nun würden einige Unternehmen unter die Lupe genommen. «Wir stehen bei unseren Ermittlungen noch am Anfang», sagte ein Sprecher der FCA. «Es wird noch einige Zeit dauern, bevor wir wissen, ob es Fehlverhalten gegeben hat, gegen das wir einschreiten».

Auch in Asien ruft die Affäre die Aufseher auf den Plan. Die als Zentralbank von Hongkong fungierende Geldmarkt-Behörde HKMA erklärte, sie stehe im Austausch mit der Aufsicht in anderen Ländern und gehe jetzt auf einzelne Institute gezielt zu.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall die FCA schon im Sommer. Damals hatte es Berichte über Tricksereien bei der Festlegung von Referenzkursen für viele Währungen gegeben. Auch die USA, die Schweiz und Deutschland gehen dem nach. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hatte am 4. Oktober erklärt, sie untersuche mögliche Manipulationen von Fremdwährungskursen.

UBS und CS mischen vorne mit

Die Referenzkurse dienen Unternehmen und Profi-Anlegern wie Investmentfonds als Basis für ihre Währungsgeschäfte. Am Devisenmarkt werden pro Tag Währungen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar gehandelt.

Das Segment ist der grösste Markt im Finanzsystem und gilt als am wenigsten reguliert. Wichtige Akteure sind etwa UBS, Credit Suisse, Deutsche Bank und Citigroup.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen elektronische Nachrichten von Händlern. Die Aufseher durchforsten Tausende dieser kurzen Botschaften, um der Frage nachzugehen, ob diese sich unerlaubt über die Kurse ausgetauscht haben.

Anzeige

Von den ähnlich gelagerten Untersuchungen über die Manipulation von Interbanken-Zinssätzen wie dem Libor verschreckt, händigen vielen Banken inzwischen aus eigenem Antrieb das Material an die Aufseher aus. Im Libor-Skandal wird weltweit gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt.

«Banditen-Club»

Wie die Devisenhändler an den Indexwerten geschraubt haben, ist noch unklar. Medienberichten zufolge konzentrieren sich die Untersuchungen auf hochrangige Händler, die sich über einem Online-Chatroom abgesprochen haben sollen. Sie seien als «Club der Banditen» oder «Das Kartell» bekannt.

Der am meisten genutzte Referenzkurs ist das «WM/Reuters»-Fixing, das jeden Tag um 16.00 Uhr Londoner Zeit errechnet wird. Dazu nutzt der Informationskonzern Thomson Reuters die Daten zu Handelsgeschäften und Aufträgen aus dem Reuters-System und von Konkurrenten wie EBS.

Dabei werden alle Kurse innerhalb einer «Fixing»-Minute erhoben. Die State-Street-Tochter WM errechnet daraus den Mittelwert, der dann als Referenzkurs verwendet wird.

Dieser wird von Investoren und Unternehmen zur Bewertung ihrer Devisenbestände und Portfolios verwendet, er ist aber auch die Grundlage zur Errechnung vieler Aktien- und Bond-Indizes.

(awp/chb)