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Devisenskandal: Den Banken gehen die Händler aus

Devisen: Euro und Dollar gehören zu den am häufigsten gehandelten Währungen.   Keystone

Der Skandal rund um die Manipulation von Devisenkursen setzt den Grossbanken zu – auch auf der Ebene des Personals. Fähige Währungshändler fehlen. Die Geldhäuser befinden sich in einer Zwickmühle.

Veröffentlicht am 26.02.2014

Der Skandal um die Manipulation von Devisenkursen ist noch längst nicht aufgearbeitet und kann für die Grossbanken rund um den Globus sehr teuer werden. Kurzfristig haben sie aber ein ganz anderes Problem, wie sich neuerdings auf Europas wichtigstem Finanzplatz London zeigt: Den Geldhäusern fehlen immer mehr fähige Leute im Devisenhandel, nachdem vielerorts verdächtige Mitarbeiter suspendiert worden sind. Dabei ist der Markt, auf dem täglich fünf Billionen Dollar umgesetzt werden, einer der wichtigsten und lukrativsten überhaupt.

Dass der Engpass nicht behoben werden kann, hat vor allem einen Grund, wie Personalberater und hochrangige Banker berichten: Die Institute meiden im Moment externe Neueinstellungen. Niemand will sich die Finger verbrennen. Zu gross ist das Risiko, dass man sich am Ende namhafte Experten einkauft, die aus früheren Tagen in den Skandal verstrickt sind.

Damit stecken viele Banken in der Zwickmühle. Entweder befördern sie jüngere Mitarbeiter mit weniger Erfahrung am Devisenmarkt auf einflussreiche Händlerposten, um die Geschäfte am Laufen zu halten. Oder sie suchen in anderen Abteilungen nach geeigneten Kandidaten. Diese müssen dann aber erst in den Devisenhandel eingearbeitet werden. Beides sind keine besonders verlockenden Szenarien. Der Talentpool ist ohnehin ausgedünnt, seit der Handel mehr und mehr automatisiert wurde.

«Beim Überflieger zwei mal hinschauen»

Weltweit wurden in dem Manipulationsskandal bislang mindestens 20 Händler vom Dienst suspendiert. Das mag auf den ersten Blick nicht viel sein, wie ein Personalberater in London sagt. «Aber es führt dazu, dass über der gesamten Branche eine dunkle Wolke hängt.» Zwar riefen bei ihm neuerdings viele Leute an, die schon länger aus dem Job heraus seien und jetzt bei den Banken Chancen für eine Einstellung witterten. «Aber ich denke, das ist schwierig.» So lange vieles in der Schwebe sei, werde der Einstellungsstopp anhalten. Zumal eine Suspendierung noch nicht bedeutet, dass die Stelle unmittelbar neu besetzt werden darf. Fehlverhalten muss erst einmal bewiesen werden.

Die Grossbanken und Aufsichtsbehörden werden analog zum Zinsskandal Millionen von EMails und Chatroom-Einträgen auf verdächtige Absprachen sezieren müssen - und das dauert. Wichtige Firmen auf dem Devisenmarkt wie die Deutsche Bank und die Royal Bank of Scotland überlegen inzwischen Finanzkreisen zufolge, Beschränkungen für Devisen-Transaktionen auf persönliche Rechnung einzuführen, wie es sie für Aktiengeschäfte längst gibt. Ein Ende der Untersuchungen zeichnet sich noch nicht ab.

«Es geht hier nicht um einen Stellenabbau», verlautet aus den Manager-Etagen der Londoner City. «All diese Leute müssen ersetzt werden. Aber die Banken müssen eben extra vorsichtig sein, wenn sie sich die Vergangenheit potenzieller neuer Kandidaten anschauen. Vor allem wenn man einen Überflieger von einem anderen Institut einstellen will, sollte man zwei Mal hinschauen.»

(reuters/dbe/sim)

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