Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sei der Arbeitgeberverband Schweizer Papier-Industrieller Aspi an die Gewerkschaften herangetreten, um über Arbeitszeiterhöhungen zu diskutieren, schreiben die Gewerkschaften Unia und Syna in einer Mitteilung vom Donnerstag. Demnach sollten die Arbeitnehmer statt 42 neu 45 Stunden pro Woche arbeiten.

Zu einer Einigung kam es aber nicht. Gemäss Gewerkschaften scheiterten die Verhandlungen, weil der Aspi während der Zeit der Mehrarbeit keinen Kündigungsschutz zusichern wollte. Auch Lohn- und Zulagenkürzungen habe der ASPI nicht ausschliessen wollen.

Bei jedem Unternehmen individuell schauen

Eine Woche nachdem die Gespräche als gescheitert erklärt wurden, haben die Arbeitgeber gemäss Gewerkschaften hinter ihrem Rücken den Schweizerischen Papier- und Kartonarbeitnehmerverband SPV vor ihren Karren gespannt. Doch für eine befristete Arbeitszeiterhöhung bedürfe es auch der Zustimmung der Gewerkschaften. Das Vorgehen von Aspi und SPV verletzte den Gesamtarbeitsvertrag GAV der Papier- und Zellstoffindustrie.

Der SPV bestätigt, dass zusammen mit der Arbeitgeberorganisation ein Rahmenvertrag aufgesetzt wurde, der Verhandlungen von höheren Arbeitszeiten bis maximal 45 Stunden ermögliche. Bei jedem Unternehmen müsse die Situation aber individuell angeschaut werden.

«Der verlängerte Arm der Mitarbeiter»

Von einer Verletzung des Gesamtarbeitsvertrages könne nicht die Rede sein. Auch sei der Rahmenvertrag insgesamt im Sinne der Mitarbeiter, die in einer stark von der Währungssituation betroffenen Branche arbeiteten. Der SPV sei eine arbeitsnahe Gewerkschaft. «Wir sind der verlängerte Arm der Mitarbeiter», sagt Präsident Beat Krügel. Den Androhungen der Gewerkschaften, juristische Schritte einzuleiten, sieht er gelassen entgegen. «Das dürfen sie gerne machen.»

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(sda/se)