Wissen ist Macht und macht Leute. Der Consulting-Markt lebt, wie alle Dienstleistungsbranchen, vom Know-how, der Erfahrung und Bildung seiner Protagonisten. Sie sind das entscheidende, ja einzige Differenzierungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz. In Anbetracht des wuchernden Bildungsmarktes gehört indes die Gleichsetzung eines Titels mit fachlicher Qualität und sozialer Kompetenz auch für das Beratergeschäft längst der Vergangenheit an. Zu gross sind innerhalb des unüberblickbaren Angebots auch für identische Titel die Qualitätsunterschiede geworden.

Die Wege zum Ziel, erfolgreiche Consultants zu rekrutieren, sind für national wie international aktive Unternehmensberatungen heute deshalb einerseits verschlungener, anderseits auch flexibler geworden. Die besten Chancen auf eine Einstellung in Beratungsunternehmen haben noch immer Bewerber mit einem MBA-Abschluss. Entscheidendes Kriterium ist aber nicht mehr das Diplom selbst, sondern die Adresse, an der es erworben wurde. «Wir schauen bei Bewerbern in erster Linie auf den Namen der Universität, die sie besucht haben», sagt zum Beispiel David Lottenbach, Partner und Recruiting-Beauftragter bei der ICME Group in Zürich, die ihren Nachwuchs vor allem in der Schweiz und Deutschland rekrutiert. Grund dafür sei eine fortschreitende Verwässerung des Titels. «Heutzutage bieten fast alle ein MBA an», so Lottenbach.

Den wachsenden Stellenwert der Adresse, wo ein Abschluss erzielt wurde, bestätigen auch andere Consulting-Firmen. «Ein MBA-Absolvent ist für uns vor allem dann interessant, wenn er sein Diplom an einer Top-Universität erworben hat», sagt Daniel Oriesek, Chef am Zürcher Sitz von A.T. Kearney, einem globalen Strategie- und Managementberatungsunternehmen.

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Vorteil, nicht Voraussetzung

Trotz der immer stärkeren Gewichtung der Aus- und Weiterbildungsadresse räumen Schweizer Unternehmensberater dem MBA-Titel grundsätzlich einen nach wie vor hohen Stellenwert ein. Vom Ausbildungskonzept ist Daniel Oriesek überzeugt. «Der MBA fokussiert, anders als viele konkurrierende BWL-Programme, direkt auf in der Praxis anwendbare Themenbereiche wie Führungserfahrung, Teamwork, Präsentationstechnik, praxisbezogene Regressionsanalysen, Forecast-Techniken usw.» Oriesek hat im eigenen Unternehmen beobachtet, dass MBA-Abgänger deshalb in der Regel schnell Fuss fassen und produktiv arbeiten.

Für Peter Naegeli, Partner und VR-Präsident von Abegglen Management Consultants in Volketswil, ist der MBA-Abschluss eines Bewerbers in der Regel eine Gewähr, dass er betriebswirtschaftliche Abläufe versteht. «Dies ist für sämtliche Aktivitätsbereiche innerhalb unseres Unternehmens von entscheidender Bedeutung.»

Bei Mercer Schweiz werden MBA-Absolventen speziell in den Bereichen Human Capital, Investment Consulting sowie generell in Managementpositionen gerne gesehen. Für Mitarbeitende in hoch spezialisierten Themenbereichen, zum Beispiel der Pensionskassenberatung, sind gemäss Personalchef Daniel Stolz jedoch eher fachspezifische Ausbildungen gefragt. Aus diesem Grund sei ein MBA-Abschluss in den meisten Fällen zwar von Vorteil, aber für einen Bewerber bei Mercer nicht Voraussetzung. Das Gleiche gilt für A.T. Kearney. Gerade im deutschsprachigen Raum rekrutiert die Firma auch zahlreiche Fachkräfte mit anderen Universitätsabschlüssen, sagt Daniel Oriesek.

Gezielte Förderung

Bei der Unterstützung ihrer Mitarbeitenden bezüglich Weiterbildung gehen die Unternehmensberatungen in der Regel sehr pragmatisch vor. Mercer fördere die Mitarbeitenden nach Möglichkeit und trage auch MBA-Lehrgänge zeitlich oder finanziell mit, sagt Daniel Stolz. «Die Grössenordnung unserer Beteiligung hängt allerdings stark vom gegenseitigen Nutzen der Ausbildung ab», relativiert er. «Wir bezahlen nicht, wenn sich Angestellte aus Eigeninitiative weiterbilden möchten», schliesst auch David Lottenbach Unterstützungsbeiträge aus, die nicht zu 100% einen Mehrwert für das Unternehmen bringen.

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Bei der ICME Group, die grundsätzlich Angestellte mit mehrjähriger Praxiserfahrung bevorzugt, spiele sich 90% der Weiterbildung «on the job» ab. Ähnlich sind die Relationen bei Mercer, wo gemäss Daniel Stolz zurzeit vor allem der Aufbau von internen Aus- und Weiterbildungsprogrammen angestrebt wird.

Abegglen Management Consultants unterstützt die Mitarbeitenden bei Weiterbildungen, die zu ihrem Profil passen. «Wir leisten in solchen Fällen Geldbeträge oder erlauben eine Arbeitspensumreduktion», erläutert Peter Naegeli. Profitieren können auch Quereinsteiger. Es ist zum Beispiel schon vorgekommen, dass Abegglen einen ausgebildeten Mediziner beim nachträglichen Erwerb des MBA unterstützt hat.

Qualifizieren müssen sich für betriebliche Unterstützung und Subventionen bei der Weiterbildung auch die Angestellten von A.T. Kearney. Die Leistungen reichen dort von der Hilfe beim Verfassen einer Bewerbung bis hin zur vollen Übernahme der Kosten für einen MBA-Lehrgang. «Solche Unterstützungen werden innerhalb der Firma als Privileg verstanden», sagt Daniel Oriesek.

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