Der General-Motors-Vorstand Richard Wagoner greift durch. Im Zuge von Kosteneinsparungen weitet der weltgrösste Auto-Konzern die Entlassungen auf 30000 Stellen aus. Der Stellenabbau soll allerdings vorrangig durch Frühruhestandsregelungen oder Abfindungen umgesetzt werden. Während Wall Street mit der Schliessung von zwölf Produktionsstandorten in Nordamerika rechnete, fällt nun bei neun Fabriken der Hammer. Die Gewerkschaft verliert durch die Streichungen rund 22% ihrer Mitglieder. Investoren sind hingegen zufrieden. Statt auf Halde zu produzieren, werden die überschüssigen Kapazitäten endlich beseitigt. Die Auslastung innerhalb der USA liegt bei mageren 85%. Die jährlichen Produktionskapazitäten sollen nun um 1 Mio Fahrzeuge reduziert werden. Wagoner kann durch die einschneidenden Massnahmen die angepeilten Einsparungen um jährlich 1 Mrd Dollar ausweiten. Es gilt, bis 2008 die jährlichen Betriebskosten um wuchtige 7 Mrd Dollar zu senken. Auch der Teilverkauf der Finanzierungstochter GMAC stehe weiterhin auf der Tagesordnung. Die Gefahr des Gläubigerschutzes hält sich bei GM vorerst in Grenzen. Voraus-gesetzt, es kommt zu keinem Streik und keiner Rezession, sind ausreichend liquide Mittel vorhanden, um den Kopf über Wasser zu halten. «Selbst wenn es bei dem bankrotten Autozulieferer Delphi zu einem Streik kommt, kann GM problemlos vier bis sechs Monate durchhalten», schätzt Goldman Sachs. Ausserdem dürfte der verärgerten Gewerkschaft bewusst sein, dass sich der Verhandlungsspielraum im Fall des Gläubigerschutzes dramatisch verschlechtern würde. Bei dem lauten Geschrei handelt es sich mehr um Rauch als um Feuer. Während die Aktie bei der Deutschen Bank auf «kaufen» aufgestuft wird, bleibt die UBS skeptisch: «Die Restrukturierung liegt im Rahmen der Erwartungen und fällt nicht sonderlich aggressiv aus.» Ausserdem dürften die Marktanteile weiter fallen. Anleger sollten die Aktie weiterhin meiden.

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