KAPITALERHÖHUNG. Gut möglich, dass auch an der Generalversammlung der UBS in der Basler St. Jakobshalle ein erboster Aktionär mit dem Schuh auf das Rednerpult klopfen wird, wie damals an der Crossair-Generalversammlung. Die ausserordentliche Generalversammlung (a.o. GV) der UBS vom 27. Februar 2008 verspricht jedenfalls, ähnlich turbulent zu werden: Die Aktionäre haben erstmals die Möglichkeit, offiziell Fragen zum Subprime-Debakel der Grossbank zu stellen.

Ein wichtiger Programmpunkt der wohl länger dauernden Versammlung wird die Abstimmung über die Massnahmen sein, welche die UBS nach den bisherigen Abschreibungen in der Höhe von rund 16 Mrd Fr. zur Stärkung ihrer Kapitaldecke ergriffen hat.

Darüber wird abgestimmt

Zum einen geht es um die Ausgabe einer Pflichtwandelanleihe in der Höhe von 13 Mrd Fr., welche der Staatsfonds GIC aus Singapur und ein ungenannter Investor, der offenbar aus Saudi-Arabien kommen soll, zeichnen wollen. Da die Altaktionäre nicht an dieser Kapitalerhöhung partizipieren können, wird ihr Gewinn im tiefen zweistelligen Bereich verwässert. Kritische Reaktionen könnte auch das zweite Traktandum hervorrufen, die Ausschüttung einer Aktien- anstelle einer Bardividende. Traktandiert ist zudem die von der Anlagestiftung Ethos verlangte Sonderprüfung. Sofern Ethos ihren Antrag nicht zurückzieht, wird darüber abgestimmt. Ethos-Vertreter Dominique Biedermann (siehe unten) hat bei der UBS einen Fragenkatalog zu den Ursachen der Misere eingereicht, der auch detaillierte Fragen zur Firmenorganisation enthält. Nur wenn Biedermann mit den Antworten der UBS zufrieden ist, wird er den Antrag zur Sonderprüfung fallen lassen. Die Fragen würden spätestens an der a.o. GV ausführlich beantwortet, heisst es bei der UBS.

Traktandenliste Ende Januar

Die Anliegen von Ethos werden offenbar unterstützt. Laut Informationen der «SonntagsZeitung» wollen sich auch andere Aktionäre, wie die öffentlichen Kassen von Stadt und Kanton Zürich, Luzern und Genf zur Wehr setzen. Die UBS nimmt bis 11. Januar 2008 weitere Traktandierungsbegehren schriftlich entgegen. Ende Januar wird die Traktandenliste an die Aktionäre versandt. Für die Führungsriege der UBS wird der Auftritt an der a.o. GV kein Spaziergang. Sie muss die Aktionäre von der langfristigen Notwendigkeit der Massnahmen überzeugen. Dabei dürfte vor allem VR-Präsident Marcel Ospel ins Kreuzfeuer der Aktionärskritik geraten. Unter ihm mussten bereits auf verschiedenen Stufen die verantwortlichen UBS-Manager ihre Sessel räumen.

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