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Rohstoffe
Die Angst der Banken vor dem Reputationsverlust

Maisernte in Guatemala: Gegner der Rohstoffspekulation sehen Kleinbauern als Verlierer der Märkte. (Bild: Keystone)

Das Thema Agrar-Spekulation ist in Deutschland höchst umstritten. Aus Angst vor Reputationsverlust stieg die Commerzbank bereits aus dem Geschäft aus. Eine Schweizer Grossbank wird nachziehen.

Von Jeffrey Vögeli
am 26.08.2013

In Deutschland wird das Thema spätestens seit der globalen Finanzkrise kontrovers diskutiert: Heute sind drei von vier Bundesbürgern der Meinung, dass Banken keine spekulativen Geschäfte mit Nahrungsmitteln mehr betreiben sollten. Das zeigt eine am gestrigen Montag veröffentlichte Studie des Hilfswerks Oxfam.

Obgleich die kritischen Töne in der Schweiz diesbezüglich noch vergleichsweise leise sind, gibt es sie: Die «Spekulationsstopp-Initiative» der Schweizer Jungsozialisten will erreichen, dass Finanzinstitute keine Investitionsprodukte auf Basis von Rohstoffen mehr anbieten dürfen. Auch alle Investitionen in Rohstoffe sollen verboten werden, geht es nach dem Willen der Juso. «Die Banken treiben mit ihren Wetten die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe und sind mitschuldig am Hunger in der Welt», heisst es dort.

Schweizer Grossbanken werden kleinlaut

Entsprechend vorsichtig sind die beiden Schweizer Grossbanken - das Thema ist heikel. UBS und Credit Suisse legen Wert auf die Aussage, sie seien in diesem Bereich im globalen Vergleich lediglich kleine Fische. So betont eine UBS-Sprecherin auf Anfrage, dass Anlegern lediglich ein einziger Indexfonds und wenige Agrarrohstoff-Zertifikate zur Auswahl stehen. Der Fonds hat ein Volumen von nicht einmal 20 Millionen Franken.

Die Konkurrentin Credit Suisse steht sogar kurz vor dem Ausstieg aus diesen Produkten. «Wir sind ein äusserst kleiner Marktteilnehmer bei Anlageprodukten, die ausschliesslich in Nahrungsmittel investieren», bestätigt eine Sprecherin. Die wenigen Anlageprodukte in diesem Bereich sollen mit dem Ende ihrer Laufzeit nicht mehr verlängert und damit vom Markt entfernt werden. Und: «Es werden auch keine neuen solchen Produkte aufgelegt.» Die genauen Beweggründe für diesen Schritt will die Bank nach aussen jedoch nicht kommunizieren.

Commerzbank ist schon ausgestiegen 

Klar ist jedoch, dass viel Reputation auf dem Spiel steht. Zu sehen ist das deutlich in Deutschland. Seit die Commerzbank in der Finanzkrise vom Steuerzahler gerettet werden musste, legt Vorstandschef Martin Blessing Wert auf eine runderneuerte Aussendarstellung. Aus Reputationsgründen emittiert die Commerzbank bereits seit November 2011 keine neuen börsennotierten Produkte auf Grundnahrungsmittel mehr. 2012 schloss das zweitgrösste deutsche Finanzinstitut dann alle Wertpapierprodukte aus, die Agrarrohstoffe enthalten.

Auch die Deutsche Bank setzte 2012 die Emission neuer Produkte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln vorübergehend aus. Für das mit Abstand grösste deutsche Finanzinstitut steht ein lukrativer Geschäftszweig auf dem Spiel. Am Ende kam eine interne Arbeitsgruppe dann auch zu dem Schluss, dass die Vorteile von Agrarfinanzprodukten die Nachteile überstiegen.

Schützenhilfe bekommt der deutsche Branchenprimus von akademischer Seite. Im Gegensatz zur Schweizer Juso beschwichtigt der Derivate-Spezialist Alexandre Ziegler von der Universität Zürich. Zwar bestätigt der Finanzprofessor, dass sich die Preise aufgrund der Spekulanten schneller bewegen. «Auf den Preis der physischen Rohstoffe hat das letztlich allerdings keinen Einfluss. Es sei denn, dass die Produzenten und/oder Konsumenten Anpassungen vornehmen – was ökonomisch eigentlich sinnvoll ist.»

(Mit Material der sda)

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