SWISS LIFE. Good choice – gute Wahl», ist der erste Kommentar eines britischen Investors. Er ist voll des Lobes für den designierten CEO des Schweizer Lebensversicherers Swiss Life: Der 48-jährige Bruno Pfister soll im Frühjahr 2008 die Nachfolge von Rolf Dörig antreten, der in den Verwaltungsrat wechselt, um 2010 das Präsidium zu übernehmen.

Der britische Investor erinnert sich gut an die schicksalhaften Jahre 2002 und 2003, als der damalige Rentenanstalt-Finanzchef Pfister Tag und Nacht die aus dem Ruder gelaufenen Zahlen ins Lot zu bringen versuchte und den Grossanlegern beharrlich und letztlich überzeugend die Überlebens- und künftige Strategie näher brachte. Pfister zählt zusammen mit Dörig, dem Schweiz-Chef Paul Müller und dem Verwaltungsratspräsidenten Bruno Gehrig zu jenen Managern, die die damalige Rentenanstalt vor dem Konkurs gerettet haben. Zur Erinnerung: Nach der Entlassung des Konzernchefs Roland Chlapowski und dem Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Andreas Leuenberger war das Vertrauen von Investoren, Versicherten und Mitarbeitenden im Keller. Strategische Fehlentscheide und sinkende Renditen als Folge des Börsencrashs von 2002 mündeten in einen Rekordverlust von 1,7 Mrd Fr. und einen spektakulären Kurssturz der Aktie. Zusätzlich angeheizt wurde die negative Stimmung durch die «Rentenklau»-Debatte und das undurchsichtige Anlagevehikel LTS.

Ein strategischer Weitblick

Rückblickend staunen die Finanzanalysten, wie es dem seinerzeitigen Finanzchef Pfister gelungen ist, die insgesamt drei Kapitalerhöhungen durchzubringen. Mit ein Grund dafür dürfte Pfisters ausgesprochen systematisches wie strategisches Denken sein. Er präsentierte der Finanzgemeinde klare Ziele – ein Novum –, schuf mit neuen Report-Instrumenten Transparenz und kommunizierte landauf, landab. Die Voraussetzungen dafür legte Pfister bereits in seinem Studium. Er erwarb in Genf das Anwaltspatent und schloss danach betriebswirtschaftliche Studien mit einem MBA ab. Abgesehen von den Verkehrsbetrieben St. Gallen, wo Pfister während der Olma sein erstes Taschengeld verdiente, führten ihn die ersten beruflichen Schritte in die Chase Manhattan Bank sowie zu McKinsey. Bei der Liechtenstein Global Trust (LGT) avancierte er zum Finanzchef und 1999 übernahm er bei der Credit Suisse als Mitglied der Geschäftsleitung die Leitung des Kundensegment- und Produktemanagements. Im August 2002 wechselte Pfister zur Rentenanstalt.Nachdem Dörig 2005 den Turnaround verkündet hatte, schuf Swiss Life die Stelle des Chief Executive Officer International, die auf Pfister zugeschnitten war. Das Ziel war klar: Da der Schweizer Lebensversicherungsmarkt nur begrenzte Wachstumsmöglichkeiten hat, sollte sich der Konzern in Europa weiterentwickeln. Auch hier gelang Pfister etwas, an dem seine Vorgänger herumgeknorzt hatten: Er trennte sich von den im Konzernvergleich weniger profitablen Tochtergesellschaften Niederlande und Belgien und erzielte gemäss Meinung der Analysten mit 2,5 Mrd Fr. einen guten Preis.

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Swiss Life muss zulegen

Mit diesem letzten Schritt war es ein offenes Geheimnis, dass Pfister zum Kronfavoriten für den Chefposten der Swiss Life avancierte. Pfister war zu Beginn dieses Jahres auch als Nachfolger für den zurückgetretenen CEO der Zürcher Kantonalbank, Hans Vögeli, gehandelt worden war. Einzig der jetztige Zeitpunkt stellt eine Überraschung dar. Dörig ist erst 50 Jahre alt, und ihm wurden einige Jahre als CEO noch zugetraut.Der designierte CEO Pfister wird sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen können. Er wird die Auslandsaktivitäten in Deutschland und Frankreich verstärken müssen, sei es durch Akquisitionen, durch die Übernahme von attraktiven Portefeuilles oder durch Vertriebskooperationen mit einem starken Bankpartner. Nach dem Verkauf der Banca del Gottardo und der beiden Benelux-Töchter stellt sich die Frage, wie die Finanzmittel verwendet werden und wie die künftige Swiss-Life-Strategie aussieht. Der jetzige Finanzchef Thomas Müller hat bereits ergänzende Zukäufe in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich in Aussicht gestellt.Zudem muss Swiss Life innovative Produkte entwickeln. Denn die Konkurrenz, allen voran die Axa, schläft in diesem Bereich nicht. Und will Swiss Life, die immer wieder als Übernahmekandidatin genannt wird, wirklich selbstständig bleiben, dann gelingt ihr dies nur mit innovativen Produkten, einem Top-Vertriebssystem und einer klaren Fokussierung.

Alles war perfekt eingefädelt, und dennoch drang die Wachablösung aufgrund von Indiskretionen in die Sonntagspresse, sodass Swiss Life ihres Überraschungscoups beraubt wurde. Das Sesselrücken an der Spitze des Lebensversicherers ist von den Kommentatoren und der Finanzgemeinde positiv aufgenommen worden. «Die langfristige Planung ist grundsätzlich sinnvoll», hält Georg Marti, Analyst der Zürcher Kantonalbank, fest.

Konzernchef Rolf Dörig soll an der nächsten Generalversammlung vom 8. Mai 2008 zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen werden. In einem zweiten Schritt ist dann geplant, dass Rolf Dörig auf die Generalversammlung 2010 hin das Präsidium übernimmt, das gegenwärtig Bruno Gehrig innehat. 2010 wird Gehrig 64 Jahre alt. Er will gemäss eigenen Angaben «etwas kürzer treten» und eine «Verjüngung an der Spitze von Swiss Life» ermöglichen.Als Nachfolger von Rolf Dörig wird der frühere CFO und jetzige CEO International Bruno Pfister vorgeschlagen. Die beiden Länderverantwortlichen für Frankreich und Deutschland, Jacques Richier und Manfred Behrens, werden neu in der Konzernleitung Einsitz nehmen.