Die Gesundheitslandschaft wird umgepflügt - und niemand weiss genau, wohin die Reise führt. Leidtragende sind auf der einen Seite die Konsumenten. Ihnen flattern als Folge der Kostenexplosion in diesen Tagen saftige Krankenkassen-Prämienerhöhungen ins Haus. Auf der anderen Seite sind die Privatkliniken stark verunsichert. Die Kantone werden am 1. Januar 2012 gezwungen sein, eine Spitalliste zu haben. Jedes Spital, das dann auf der Liste steht, wird mit 55% der Behandlungskosten subventioniert. Auf den ersten Blick sieht diese Reform verführerisch aus. Durch mehr Wettbewerb soll sich die Zahl der Spitäler reduzieren und das medizinische Angebot gestrafft werden. Dadurch sollen - so die Vision der Gesundheitspolitiker - die Kosten sinken.

Ist dem wirklich so? Cédric A. George, Delegierter des Verwaltungsrates der Zürcher Klinik Pyramide am See, geht hart ins Gericht mit dem Reformvorhaben: «Die Gleichstellung von öffentlichen und privaten Anbietern wird nur theoretisch sein. Faktisch handelt es sich um eine Verstaatlichung unter Beibehaltung der privaten Trägerschaft. Der Kanton wird das Sagen haben, nicht der Verwaltungsrat, nicht die Ärzte, nicht die Aktionäre.» George befürchtet eine Überadministration und einen Regulierungswahn, weg von der individuellen Behandlungsqualität hin zu Mittelmass- und Einheitsqualität.

Ole Wiesinger, CEO der grössten Privatklinikgruppe der Schweiz, der Hirslanden-Gruppe, hätte mit der geplanten Spitalliste kein Problem, wenn die Spiesse für alle gleich lang wären: «Wenn die öffentlichen Spitäler genauso wirtschaften würden wie wir, das heisst Geld verdienen, den Betrieb und das Wachstum finanzieren und investieren, ohne offensichtliche und versteckte Subventionen, dann wäre die Welt für uns in Ordnung und so, wie es dem KVG vorschwebt.» Doch das sei nicht der Fall. Wissenschaftliche Vergleichsinstrumente fehlten. Die Kantone würden als Mehrheitsaktionär die Nabelschnur zu ihren öffentlichen Spitälern wohl kaum kappen. Deshalb befänden sich alle in einer unkomfortablen Situation.

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Für die Privatkliniken heisst dies nun, dass sie sich noch klarer fokussieren müssen. Dabei steht die Qualität an erster Stelle - und zwar nicht nur in der Hotellerie, sondern besonders in der Medizin, der Behandlung und der Pflege. Die Hirslanden-Gruppe beispielsweise strebt für alle 13 Kliniken einen Spitallistenplatz an; andere wiederum fahren einen innovativen Sonderweg, indem sie sich als Nischenanbieter positionieren oder auch bewusst eine ausländische Klientel im Auge haben, die bereit ist, für Top-Qualität zu zahlen.